
Die Migrationsdebatte in Australien nahm heute eine weitere scharfe Wendung, nachdem der Einwanderungssprecher der Partei One Nation, Abgeordneter David Farley, im ABC-Radio erklärte, die Partei sei „offen“ für eine Begrenzung oder vorübergehende Aussetzung von Partner- und Kinder-Visa für australische Staatsbürger. Diese Aussage erweitert die gestern veröffentlichte, umfassendere Politik der Kleinpartei, die eine Netto-Migration im Minusbereich für drei Jahre anstrebt, indem sie die Zahl der temporären und Studentenvisa um 750.000 Plätze reduziert. Farley betonte, dass eine solche Begrenzung von der Kapazität der Krankenhäuser, Schulen und des Wohnungsmarktes abhängen würde. Der ehemalige stellvertretende Sekretär des Einwanderungsministeriums, Abul Rizvi, warnte jedoch, dass eine Einschränkung von Visa für unmittelbare Familienangehörige nach Abschnitt 87 des Migration Act rechtswidrig wäre und den bestehenden Rückstau von rund 120.000 Partneranträgen weiter verschärfen würde. Auch Wirtschaftsverbände warnten davor, dass ein Einfrieren von Familienvisa Australien für global mobile Fachkräfte, die Einsätze in Asien-Pazifik-Zentralen abwägen, weniger attraktiv machen würde. Arbeitgeber in den Bereichen Bergbau, Technologie und Gesundheitswesen haben bereits Schwierigkeiten, erfahrene Kandidaten zu gewinnen, da Bedenken hinsichtlich Schulbildung und Arbeitsrechten für Ehepartner bestehen. Eine formelle Pause könnte multinationale Unternehmen dazu zwingen, wertvolle Projekte nach Singapur oder Dubai zu verlagern und die Bindungsstrategien für Mitarbeiter zu erschweren, die unter dem Temporary Skills Shortage (Subclass 482) Visum mit der Erwartung eines klaren Familiennachzugs umgezogen sind. Da die Bundesregierung von Labor ihre lang erwartete Migrationsstrategie noch nicht vorgestellt hat, erhöhen Farleys Äußerungen den politischen Druck vor der Parlamentssitzung im Oktober. Internationale Personalabteilungen sollten die nächsten zwei Wochen genau beobachten; gewinnt der Vorschlag von One Nation im Parlament an Unterstützung, könnten Notfallpläne für getrennte Familienentsendungen und zusätzliche Wohnungszuschüsse unverzichtbar werden.
Quelle: ABC News