
In einem Fernsehinterview am Donnerstagabend stellte Olivier Faure, Erster Sekretär der Sozialistischen Partei (PS), ein zentrales Einwanderungsprojekt für seine Präsidentschaftsvorwahl 2027 vor: die großflächige Legalisierung von rund 400.000 derzeit illegal in der französischen Wirtschaft tätigen Arbeitskräften. Faure verwies auf das spanische Programm von 2026, das einer halben Million irregulärer Migranten ein einjähriges Arbeitsvisum gewährte, als Beleg dafür, dass „der Himmel nicht einstürzt, wenn man Menschen aus dem Schatten holt“. Frankreich hat seit der Regierung Mauroy 1981 keine großangelegte Amnestie mehr durchgeführt und setzt stattdessen auf eine ad-hoc-Legalisierung von jährlich 20.000 bis 30.000 Aufenthaltstiteln. Kritiker bemängeln jedoch, dass sich der Rückstau an irregulären Bewohnern laut Innenministerium auf etwa 700.000 beläuft, was unter anderem durch digitale Engpässe im Online-Aufenthaltstitelportal (ANEF) begünstigt wird. Faures Plan zielt auf Migranten ab, die eine Mindestaufenthaltsdauer und eine Beschäftigung in Branchen mit chronischem Arbeitskräftemangel nachweisen können – ähnlich dem begrenzten „métiers en tension“-Modell aus dem Einwanderungsgesetz 2024, jedoch in deutlich größerem Umfang. Die Wirtschaftsverbände reagierten zurückhaltend: France Industrie befürchtet, dass eine Amnestie ohne vereinfachte Verlängerungswege die rechtliche Unsicherheit für Arbeitgeber nur verschieben würde. Dagegen begrüßten die Verbände der Gastronomie und des Baugewerbes die Idee, da akute Personalengpässe bereits dazu geführt haben, dass einige Projekte auf entsandte Arbeitskräfte aus Nachbarländern der EU angewiesen sind. Die konservative Opposition wies den Vorschlag als „verantwortungslosen Anreiz“ zurück und forderte stattdessen strengere Quoten und schnellere Abschiebungen. Aus globaler Mobilitätsperspektive ist die Debatte bedeutsam, da sie mögliche Änderungen bei Frankreichs Arbeitsmarktprüfungen und Arbeitserlaubnisverfahren ankündigt. Sollte eine künftige linksgerichtete Regierung das Amnestiekonzept aufgreifen, könnten multinationale Unternehmen auf einen neu legalisierten Talentpool zugreifen – müssten aber zugleich die Einhaltung von Vertragsübergangsregeln und Mindestlohnvorgaben genau überwachen. Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Parlament Sekundärgesetze zur Umsetzung des EU-Pakts für Migration und Asyl prüft, was verdeutlicht, wie stark nationale Politik von den brüsseler Kontrollvorstellungen abweichen kann.
Quelle: Public Sénat
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