
Außenminister Johann Wadephul lobte am 30. April in Rabat Marokko als „zuverlässigen Partner für Talente“ und verwies darauf, dass im Jahr 2024–25 mehr als 13.500 Marokkaner ein deutsches Arbeits- oder Ausbildungsvisum erhalten haben. Über 3.000 davon waren Pflegekräfte oder Pflegeauszubildende – ein Bereich, in dem deutsche Krankenhäuser bis 2030 mit einem prognostizierten Personalmangel von 190.000 rechnen. Der Minister erklärte, Berlin wolle diesen Erfolg im Rahmen des Kapitels „Talentpartnerschaften“ des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes auch mit anderen Ländern wiederholen. Die Gespräche mit Marokko konzentrieren sich nun auf Automobilzulieferketten, Agrartechnologie und grünen Wasserstoff. Deutschland bietet duale Ausbildungsprogramme und beschleunigte Visaverfahren im Gegenzug für eine strukturierte Sprachvorbereitung an. Wadephul räumte Kritik ein, dass eine aggressive Rekrutierung im Ausland zu „Brain Drain“ führen könne, und kündigte Stipendienprogramme an, die zirkuläre Migration und den Rücktransfer von Fähigkeiten fördern sollen. Er betonte zudem die Notwendigkeit von Deutschkenntnissen auf B1-Niveau für Pflegeberufe – ein Bereich, in dem viele Bewerber Schwierigkeiten haben. Für deutsche Arbeitgeber bedeuten diese Aussagen eine anhaltende politische Unterstützung für bilaterale Rekrutierungskorridore, die über vorab geprüfte Listen und die neue Work & Stay-Agentur die üblichen Botschaftswartezeiten umgehen. Personalabteilungen, die Mitarbeiter aus Marokko einstellen, müssen jedoch mit zwei bis vier Monaten Sprachtraining vor dem Einsatz rechnen. Der Besuch findet vor dem Hintergrund breiterer EU-Bemühungen statt, Migrationsabkommen zu verhandeln, die legale Mobilität und Rücknahmevereinbarungen kombinieren. Beobachter erwarten, dass vor der Sommerpause ein aktualisiertes Arbeitsabkommen zwischen Deutschland und Marokko unterzeichnet wird.
Quelle: dpa-AFX via comdirect