
In Äußerungen, die den Ton der nächsten Einwanderungsreferendumsrunde in der Schweiz prägen könnten, erklärte Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider gegenüber der Tribune de Genève – zitiert von The Local am 5. Mai –, dass ausländische Arbeitskräfte für die Finanzierbarkeit der ersten Säule (AHV/AVS) „unverzichtbar“ seien. Laut der Ministerin zahlen im Land lebende Ausländer mehr in das System ein, als sie herausnehmen, und gleichen so ein demografisches Ungleichgewicht aus, bei dem die einheimische Bevölkerung mehr Leistungen bezieht, als sie einzahlt. Ihr Statement erfolgt vor dem Hintergrund, dass die rechtsgerichtete Schweizerische Volkspartei (SVP) ihre Kampagne „Nein zur 10-Millionen-Schweiz“ verschärft, die eine Obergrenze für die Nettozuwanderung fordert und bereits 2027 eine Volksabstimmung auslösen könnte. Die Regierung arbeitet noch an Gegenentwürfen, doch Baume-Schneiders Äußerungen deuten darauf hin, dass Bern künftig vor allem die wirtschaftliche Notwendigkeit qualifizierter Zuwanderung betonen wird, statt sich nur auf humanitäre Verpflichtungen zu stützen. Für multinationale Arbeitgeber ist diese Botschaft von großer Bedeutung. Unternehmen, die auf Grenzgänger und Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern angewiesen sind, warnen, dass strengere Kontingente das Wachstum in wertschöpfungsstarken Branchen wie Biopharma und Fintech bremsen würden. Die Argumentation der Ministerin liefert den Personalabteilungen neue Fakten für Gespräche mit Stakeholdern und Lobbyarbeit. Pensionsexperten sind sich einig, dass ohne Nettozuwanderung der AHV/AVS-Fonds innerhalb von zehn Jahren ins Defizit geraten würde, was entweder höhere Lohnabzüge oder ein höheres Rentenalter erfordern würde – beides politisch heikle Maßnahmen. Indem die Regierung den fiskalischen Beitrag der Migranten hervorhebt, will sie Erzählungen entgegentreten, die ausländische Arbeitskräfte als Belastung für die Sozialversicherung darstellen. Beobachter weisen darauf hin, dass die Schweiz weiterhin unter Druck der EU steht, die Freizügigkeitsregeln mit künftigen institutionellen Abkommen in Einklang zu bringen. Eine öffentliche Debatte, die die Beiträge der Migranten anerkennt, könnte diplomatische Spannungen entschärfen und ausländische Mitarbeitende bei der Entscheidung für langfristige Einsätze im Land beruhigen.
Quelle: The Local Switzerland