
Die französische Grenzpolizei am Flughafen Nizza Côte d’Azur hat am 22. Mai still und heimlich eine neue Einstellung in ihrem PARAFE-System (Passage Automatisé Rapide aux Frontières Extérieures) aktiviert. Zum ersten Mal seit der Einführung des EU-Ein- und Ausreisesystems (EES) nach dem Brexit dürfen Inhaber britischer und amerikanischer Pässe – egal ob in Frankreich ansässig oder nur kurz zu Besuch – die Gesichtserkennungs-E-Gates nutzen, die bisher ausschließlich für EU-/EWR-Reisende reserviert waren. Die Flughafenleitung erklärte gegenüber der lokalen Zeitung The Connexion, dass dieser Schritt dazu dienen soll, „die manuellen Kontrollstellen während des Sommeransturms zu entlasten“, da die vollständigen EES-Selbstbedienungskioske noch nicht einsatzbereit sind. Reisende stecken ihren Pass in den PARAFE-Leser; das Tor nimmt ein Live-Bild auf, vergleicht es mit dem Chip und der Schengen-Datenbank für Überziehungen und öffnet sich – wenn alles übereinstimmt – in etwa 15 Sekunden. Die Änderung wird zunächst bei Flügen aus London, New York und anderen stark frequentierten angelsächsischen Märkten getestet. Die Grenzbeamten behalten sich weiterhin vor, Passagiere zu manuellen Kontrollstellen umzuleiten. Die E-Gates werden vorerst nur bei Spitzenankünften aus Großbritannien und den USA auf „Alle Pässe“ umgeschaltet. Der Flughafen Bordeaux prüft ein identisches Verfahren, während Aéroports de Paris die Ergebnisse abwarten will, bevor eine Entscheidung für Charles-de-Gaulle und Orly getroffen wird. Für Mobilitätsmanager hat das unmittelbare Auswirkungen: Geschäftsreisende aus Großbritannien und den USA können bei An- und Abreise 15 bis 30 Minuten sparen, sollten aber realistische Erwartungen haben – die Verfügbarkeit von PARAFE kann sich kurzfristig ändern, und das System erfasst noch keine Fingerabdrücke, die mit der Einführung der EES-Kioske verpflichtend werden. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter weiterhin anhalten, großzügige Umsteigezeiten einzuplanen und Nachweise früherer Schengen-Einreisen mitzuführen, um versehentliche „Überziehungs“-Markierungen zu vermeiden.
Quelle: The Connexion