
Indiens Außenminister S. Jaishankar nutzte den Besuch des US-Außenministers Marco Rubio am 24. Mai in Neu-Delhi, um das Thema Geschäftsmobilität fest auf die bilaterale Agenda zu setzen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erkannte Jaishankar Fortschritte bei einem vorläufigen Handelsabkommen an, warnte jedoch, dass die zwischenmenschlichen Verbindungen, die die wirtschaftliche Beziehung tragen, durch immer längere Wartezeiten für US-Visa für Inder belastet würden. Die Wartezeiten für Erstgespräche zu B-1/B-2-Visa an mehreren Konsulaten übersteigen weiterhin 250 Tage, und jüngste US-Richtlinien haben die Inlandsstatusänderungen für beschäftigungsbasierte Einwanderer verschärft. Rubio betonte, dass die Modernisierung der Einwanderungsprozesse unter der Biden-Trump-Administration „global und nicht speziell auf Indien ausgerichtet“ sei, räumte jedoch ein, dass die konsularischen Kapazitäten in Indien mit der Nachfrage durch Rekordzahlen an Studenten und einer schnell wachsenden indischen Diaspora nicht Schritt gehalten hätten. Er kündigte an, diesen Sommer zusätzliche Bearbeiter für Chennai und Hyderabad zu entsenden und bis Oktober Pilotprojekte für die inländische Verlängerung von H-1B-Visa für indische IT-Fachkräfte zu starten. Beide Minister verbanden eine reibungslosere legale Mobilität mit strategischen Zielen, von Lieferketten für Halbleiter bis hin zu Forschung und Entwicklung im Bereich sauberer Energien. Jaishankar drängte auf den baldigen Start des bereits angekündigten „Trusted Traveller“-Programms, das berechtigten indischen Führungskräften fünfjährige Mehrfacheinreise-B-1-Visa gewähren und die Interviewbefreiung für Verlängerungsanträge unter 60 Jahren ausweiten soll. Indien hat bereits beidseitig fünfjährige elektronische Geschäftsvisa für US-Bürger eingeführt und am Terminal 3 des Flughafens Delhi eine eigene Einreisestrecke für Global Entry-Mitglieder eingerichtet. Indische Unternehmen begrüßten den Ton, wiesen jedoch auf akute Probleme hin: verpasste Projektstarts, Offshore-Lösungen, die die Kosten um 20 % erhöhen, und blockierte innerbetriebliche Versetzungen, die die Nachfolgeplanung erschweren. Einwanderungsberater empfehlen Unternehmen, mindestens zehn Monate Vorlaufzeit für US-Reisen einzuplanen, kanadische Nearshore-Standorte zu prüfen und Blanket-L-Anträge vor dem Jahresendansturm vorzuziehen. Sollten die Zusagen umgesetzt werden, könnten die Gespräche laut Analysten die Erzählung neu gestalten, die die Attraktivität der USA für indische Talente zuletzt geschmälert hatte. Ein Scheitern würde hingegen die Diversifizierung indischer Auslandsinvestitionen in Länder mit schnelleren Visawegen wie die VAE, Kanada und Deutschland beschleunigen.