
Brasilien wählte den 26. Mai 2026 – den Eröffnungstag der ITB China in Shanghai – für seinen bislang ehrgeizigsten Vorstoß auf dem chinesischen Outbound-Markt seit über einem Jahrzehnt. Angeführt von Tourismusminister Gustavo Feliciano und dem Präsidenten von Embratur, Bruno Reis, betonte die 80-köpfige Delegation vor allem eine Botschaft: Chinesische Staatsbürger können nun dank des bilateralen Visumverzichts, der am 11. Mai in Kraft trat, bis zu 30 Tage visumfrei nach Brasilien einreisen. Hinter dem farbenfrohen Messestand und den VR-Brillen verbarg sich eine klare kommerzielle Strategie. Embratur unterzeichnete Absichtserklärungen mit drei chinesischen Online-Reisebüros (OTAs) und zwei Fluggesellschaftsgruppen, um die Sitzplatzkapazitäten auf den von chinesischen Reisenden meistgenutzten Strecken Madrid–São Paulo und Doha–São Paulo auszubauen. Laut Embraturs Datenabteilung stiegen die Ankünfte aus China 2025 um 52 Prozent auf 103.122 Besucher; für 2026 wird ein weiterer Zuwachs von 31 Prozent prognostiziert, was zusätzlichen Tourismuseinnahmen von 310 Millionen US-Dollar entspricht. Der Visumverzicht wird auch genutzt, um Geschäftsevents zu gewinnen. Branchen wie Agrartechnologie und erneuerbare Energien – beide stark von chinesischen Investitionen in Brasilien geprägt – planen, regionale Konferenzen künftig in Brasilien abzuhalten, da Delegierte kurzfristig einreisen können. Chinesische Unternehmen, die Batteriefabriken in Bahia errichten, teilten Embratur beispielsweise mit, dass sie mindestens zwei Firmenveranstaltungen in der zweiten Jahreshälfte von Singapur nach Salvador verlegen werden. Praktisch müssen Reisende weiterhin ein Rück- oder Weiterflugticket sowie eine Unterkunftsnachweis vorlegen, doch Konsulatsbesuche und die Visumgebühr von 115 US-Dollar entfallen. Brasilianische Führungskräfte, die in die andere Richtung reisen, genießen seit Mai 2025 bereits eine visumfreie Einreise von 90 Tagen nach China, was multinationalen Unternehmen erstmals ein vollständig reziprokes Regime ermöglicht. Für Mobility-Manager ist die Botschaft klar: Brasilien setzt verstärkt auf China, und die bürokratischen Hürden, die kurzfristige Reisen zwischen den beiden Volkswirtschaften bisher erschwerten, wurden weitgehend beseitigt. Unternehmen mit Aktivitäten in beiden Märkten sollten ihre Reiserichtlinien umgehend anpassen und die voraussichtlich folgenden vergünstigten Aktionspreise im Zuge der neuen Marketingoffensive nutzen.
Quelle: Embratur