
Paris – Die Touquet-Abkommen, der 2003 geschlossene Vertrag, der die Grenzkontrollen des Vereinigten Königreichs auf französisches Gebiet verlagerte, standen am 28. Mai erneut im Mittelpunkt, als eine Sonderkommission der Nationalversammlung den aktuellen Justizminister Gérald Darmanin und den ehemaligen Innenminister Bruno Retailleau einberief. Beide verteidigten die Abkommen als ein zwar unvollkommenes, aber lebensrettendes Instrument, das es französischer Polizei und Gendarmerie ermöglicht, Migranten abzufangen, bevor sie die gefährliche Überquerung des Ärmelkanals wagen. Darmanin berichtete den Abgeordneten, dass französische Patrouillen allein im Jahr 2025 mehr als 6.000 Menschen gerettet hätten, und betonte: „Das Ziel ist in erster Linie humanitär – wir versuchen zu verhindern, dass der Ärmelkanal zu einem Freiluft-Friedhof wird.“ Retailleau unterstützte diese Aussage und argumentierte, ohne die Touquet-Kontrollen „würde man einfach eine wichtige Migrationsroute in Calais wieder öffnen.“ Die Abgeordneten hinterfragten, ob der Vertrag neu verhandelt werden sollte, da das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil der EU ist. Darmanin beklagte „äußerst schwierige“ Beziehungen zu den britischen Partnern und forderte die Europäische Kommission auf, bei künftigen Abkommen die Führung zu übernehmen, da der Brexit eine rechtliche Lücke in der Migrationszusammenarbeit hinterlassen habe. Retailleau ergänzte, das französische Ziel sei es, die Angelegenheit „wieder zu europäisieren“ und wies darauf hin, dass ein Drittel der irregulären Einreisen nach Europa über Nordfrankreich verlaufe. Für Mobilitätsmanager signalisiert die Anhörung, dass die verschärften französischen Kontrollen rund um Calais, Dünkirchen und den Eurotunnel diesen Sommer bestehen bleiben. Unternehmen, die Personal oder Ausrüstung durch die Straße von Dover transportieren, sollten weiterhin mit Stichprobenkontrollen, Verzögerungen durch maritime Patrouillen und gelegentlichen Sperrungen der Einschiffungszonen bei starkem Kleinbootverkehr rechnen. Personalabteilungen, die grenzüberschreitende Einsätze organisieren, wird empfohlen, zusätzliche Transitzeiten einzuplanen und die Hinweise der Präfektur aufmerksam zu verfolgen. Strategisch zeigt die Debatte, wie Paris humanitäre Rettung mit Migrationskontrolle verknüpft – ein Narrativ, das voraussichtlich eine dauerhafte Finanzierung für Grenztechnologie und gemeinsame Patrouillen rechtfertigt. Eine mögliche Neuverhandlung mit dem Vereinigten Königreich würde wahrscheinlich den Austausch biometrischer Daten des Entry/Exit-Systems (EES) verbindlich regeln, was die Vorauswahl der Passagiere für Firmen-Shuttle-Dienste noch wichtiger machen würde.
Quelle: LCP – Assemblée nationale
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