
Neu zusammengestellte Statistiken zeigen, dass bis zu neun von zehn Asylsuchenden in Irland in den letzten drei Jahren zunächst nach Nordirland eingereist sein könnten, bevor sie in den Süden weiterreisten. The Guardian berichtet, dass nur etwa 10 % der Antragsteller ihre Asylanträge an Flughäfen oder Seehäfen gestellt haben, während der Großteil sich nach der Einreise über den Common Travel Area (CTA) beim International Protection Office in Dublin meldete. Diese Erkenntnis hat die Debatte über das Fehlen routinemäßiger Grenzkontrollen an der irischen Landgrenze neu entfacht – eine der wenigen Grenzen weltweit zwischen zwei Nicht-Schengen-Gebieten. Daten des britischen Innenministeriums zeigen, dass im vergangenen Jahr mehr als 900 Personen wegen Missbrauchs des CTA als Einwanderungsdelinquenten festgenommen wurden, während irische Behörden einräumen, dass Rückführungen ins Vereinigte Königreich bislang minimal blieben, da rechtliche Klarheit zum Status „sicherer Drittstaat“ nach dem Brexit aussteht. Unionistische Politiker fordern vorübergehende Sperrungen grenzüberschreitender Busverbindungen, während Dublin darauf besteht, dass strengere Dokumentenkontrollen an Abfahrtsstellen (Fähren und Flüge nach Belfast) wirksamer wären. Für Fachleute im Bereich Mobilität wirft die Kontroverse Fragen zu möglichen Änderungen der Ausweispflichten bei Inlandsflügen innerhalb des CTA sowie zu den Überprüfungspflichten von Arbeitgebern auf. Jegliche Wiedereinführung von Grenzinfrastruktur könnte die gesamte Lieferkette auf der Insel gefährden, von der viele multinationale Hersteller abhängen. Personalverantwortliche mit Mitarbeitern, die täglich die Grenze überqueren, sollten mögliche politische Änderungen im Blick behalten, die eine Überprüfung von Arbeitserlaubnissen oder Änderungen bei der Koordinierung der Sozialversicherung erforderlich machen könnten. Das Außenministerium und das britische Northern Ireland Office verhandeln derzeit über eine Wiederaufnahme des Rückführungsabkommens von 2020, das aufgrund von Rechtsstreitigkeiten um die britische Ruanda-Politik ausgesetzt wurde. Ob die Gespräche in einem formellen Protokoll münden, könnte entscheidend für die künftige Bewegungsfreiheit von Tausenden grenzüberschreitenden Arbeitnehmern, Studierenden und Asylsuchenden sein.
Quelle: The Guardian
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