
Kaum zehn Wochen nach der Eröffnung des außergewöhnlichen Regularisierungsfensters hat das spanische Migrationsministerium bestätigt, dass bereits rund 900.000 Anträge eingegangen sind – fast doppelt so viele wie die ursprünglich veranschlagten 500.000. Die am 27. Juni der Zeitung DEF Online vorgelegten Zahlen verdeutlichen sowohl das Ausmaß der irregulären Beschäftigung in Spanien als auch die große Nachfrage nach dem neuen Programm. Beamte räumen ein, dass der Ansturm zu einem administrativen Engpass geführt hat. Die Einwanderungsbehörden Spaniens bearbeiten täglich etwa 25.000 Akten, arbeiten abends und an Wochenenden, doch die Warteschlange wächst weiter. Um einen Rückstau wie beim „Arraigo“-Programm von 2005 zu vermeiden, verlegt das Innenministerium 600 Beamte aus Provinzen mit geringem Aufkommen und genehmigt Überstunden für die Prüfer der Nationalpolizei. Wirtschaftsverbände sehen in der Flut von Anträgen eine Bestätigung der Warnungen, dass die Arbeitsmarktstatistiken die tatsächliche Zahl der Migrantenarbeitskräfte unterschätzen. Branchen wie Bau und Landwirtschaft, in denen Tagelöhner üblich sind, bereiten Einstiegsprogramme vor, damit neu regularisierte Arbeiter ab dem 1. Juli auf formelle Verträge umgestellt werden können. Gewerkschaften fordern unterdessen, dass Kontrollen sich auf Arbeitgeber konzentrieren, die Beschäftigte in der Schattenwirtschaft halten, anstatt Migranten für systembedingte Verzögerungen verantwortlich zu machen. Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich: Das Finanzministerium rechnet mit zusätzlichen 1,2 Milliarden Euro pro Jahr an Lohnsteuer-Einnahmen, falls 70 % der Antragsteller letztlich genehmigt werden. Kritiker aus dem politischen rechten Spektrum bemängeln, dass die Regierung die Kosten im Gesundheitswesen und sozialen Wohnungsbau unterschätzt habe, doch Ökonomen entgegnen, dass Spaniens schnell alternde Bevölkerung kaum Alternativen zur großflächigen Auffrischung der Arbeitskräfte bietet. Für Mobility-Manager ist die wichtigste Erkenntnis das Risiko von Zeitverzögerungen. Obwohl Antragsteller eine vorläufige Arbeitserlaubnis erhalten, sobald ihre Akte „admitido a trámite“ ist, können Verzögerungen bei biometrischen Terminen oder polizeilichen Hintergrundprüfungen den Arbeitsbeginn beeinflussen. Arbeitgeber sollten daher bei der Einsatzplanung flexibel bleiben und Einladungsschreiben frühzeitig ausstellen, um frühere Fingerabdrucktermine zu sichern.
Quelle: DEF Online