
Im Vorfeld des UN-Weltaktionstags gegen Menschenhandel am 30. Juli hat der belgische Bundesjustizdienst am 27. Juli in Namur den nationalen Teil der UN-Kampagne „Blue Heart“ gestartet. Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf Opfern, die gezwungen werden, Online-Romanzen-Betrügereien, Anlagebetrug oder Phishing-Aktionen durchzuführen – ein Trend, der mit dem Anstieg von Remote-Arbeit und grenzüberschreitendem digitalem Nomadentum gewachsen ist. Obwohl es sich nicht um ein klassisches Mobilitätsthema handelt, überschneidet sich Menschenhandel auf subtile Weise mit Unternehmensverlagerungen. Die belgischen Behörden meldeten 2024 bereits 101 besorgniserregende Fälle von vermissten unbegleiteten ausländischen Minderjährigen und warnten davor, dass kriminelle Netzwerke Opfer zunehmend mit gefälschten Stellenangeboten anlocken, die echte EU-interne Ausschreibungen imitieren. Einmal im Land, werden die Opfer zwischen temporären „Cyber-Betrugsfarmen“ hin- und hergeschoben, ihre Pässe werden konfisziert. Unternehmen in Belgiens florierenden Fintech- und Kundenservice-Sektoren sollten daher ihre Due-Diligence-Verfahren bei Dienstleistern verschärfen und sicherstellen, dass ausgelagerte Callcenter-Partner die lokalen Arbeits- und Einwanderungsvorschriften einhalten. Das Justizministerium forderte Personalabteilungen auf, das Kampagnenmaterial intern zu verbreiten, damit internationale Entsandte verdächtige Aktivitäten erkennen und über die nationale Hotline (078 055 800 oder stoptraite.be) melden können. Politischer Kontext: Belgien arbeitet an einem neuen föderalen Migrationskodex, der bis Dezember 2026 vier bestehende Behörden zu einer einzigen SPF Migration zusammenführt. Die Erfassung von Daten zum Menschenhandel wird in der künftigen Behörde angesiedelt sein, was schnellere Informationsflüsse zu Grenzpolizei und Arbeitsinspektoren ermöglicht. Für Fachleute der globalen Mobilität ist die Botschaft klar: Schutzmaßnahmen sind nicht nur eine NGO-Angelegenheit. Die Integration von Schulungen zum Thema Menschenhandel in das Onboarding von Expatriates und Geschäftsreisenden kann helfen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und sowohl Menschen als auch den Ruf des Unternehmens zu schützen.
Quelle: Belgian Federal Justice Service
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