
Ein Kommentar des Irish Times-Kolumnisten Fintan O’Toole vom 15. September 2026 hat die Debatte über Irlands zweigleisiges Staatsbürgerschaftssystem neu entfacht. O’Toole verweist auf Daten des Außenministeriums, wonach 2025 insgesamt 54.097 Personen über das Foreign Births Register die irische Staatsbürgerschaft beantragten – mehr als doppelt so viele wie die 25.000 Einwohner, die im selben Jahr durch das Justizministerium eingebürgert wurden. Das Foreign Births Register gewährt die Staatsbürgerschaft jedem mit einem in Irland geborenen Großelternteil (oder einem bereits eingetragenen Elternteil), unabhängig vom Wohnsitz oder künftigen Bindungen zum Staat. Die Anträge, insbesondere aus den USA, stiegen im vergangenen Jahr um 63 Prozent, nachdem die Online-Veröffentlichung der Volkszählung von 1926 die Ahnenforschung erleichtert hatte. Im Gegensatz dazu plant die Regierung, die Einbürgerung für im Land lebende Migranten zu erschweren, was Kritik an einem „impliziten Zwei-Klassen-System“ hervorruft. Diaspora-Gruppen begrüßen den Anstieg und argumentieren, dass zusätzliche Passinhaber Irlands globale Einflussnahme und Soft Power stärken. Gleichzeitig warnen auf Einwanderungsrecht spezialisierte Anwälte vor Reputationsrisiken: Während Irland Investoren und Fachkräfte im Gesundheitswesen anwirbt, scheint es genetische Verbindungen über wirtschaftlichen Beitrag zu stellen – ein Problem für das Image im globalen Wettbewerb um Talente. Praktische Folgen sind unter anderem ein wahrscheinlicher Rückstau bei irischen Auslandsvertretungen; einige US-Konsulate berichten bereits von sechsmonatigen Wartezeiten für Termine. Unternehmen, die auf die Passverlängerung ihrer Mitarbeiter für Einsätze in den USA angewiesen sind, sollten die Bearbeitungszeiten genau beobachten, da die konsularischen Ressourcen begrenzt sind. Politische Analysten schlagen vor, die beiden Wege anzugleichen, etwa durch moderate Wohnsitz- oder Kulturkenntnisvoraussetzungen für Anträge über Abstammung oder alternativ durch Beibehaltung der Fünf-Jahres-Regel für Einheimische. Mit der anstehenden Reform der Einbürgerung im Oireachtas stehen die Abgeordneten nun unter Druck, die unterschiedlichen Zugänge zu vereinheitlichen.
Quelle: The Irish Times