
Am abgelegenen Grenzübergang Raja-Jooseppi in Lappland haben finnische Grenzschutzbeamte in der vergangenen Woche Hunderte neuer Rekruten in Scharfschützentechniken, der Erkennung unbemannter Luftfahrzeuge und Schnellreaktionsverfahren ausgebildet. Die am 3. April von Euronews gefilmten Übungen sind Teil eines umfassenderen Bereitschaftsprogramms, das nach der gezielten Steuerung von mehreren hundert Asylsuchenden an Finnlands arktische Grenzposten Ende 2023 durch Russland gestartet wurde – eine Taktik, die Helsinki und Brüssel als „instrumentalisierte Migration“ bezeichnen. Obwohl die Landgrenze seit November 2023 offiziell für reguläre Reisende geschlossen ist, sorgen sich Wirtschaftsakteure weiterhin über mögliche Folgewirkungen. Laut dem Verband der finnischen Industrie (EK) waren vor der Schließung etwa 180 finnische Logistikunternehmen auf die „Arktische Korridor“-Route durch Russland angewiesen; die meisten weichen nun über die baltischen Staaten aus, was durchschnittlich 900 Euro pro LKW an zusätzlichen Kraftstoff- und Fährkosten bedeutet. Das Innenministerium schätzt, dass anhaltende Grenzschließungen die finnischen Warenexporte im Jahr 2026 um 0,2 Prozentpunkte reduzieren könnten. Die Behörden betonen, dass die Abschreckungsmaßnahmen ebenso sehr der Migrationssteuerung wie der militärischen Verteidigung dienen. „GPS-Störungen, Drohnenvorstöße und plötzliche Migrantenbewegungen gehören zum gleichen hybriden Instrumentarium“, erklärte Grenzschutzleutnant Mikko Lehmus gegenüber Journalisten und fügte hinzu, dass neue Wärmebildkameratürme und ein 200 Kilometer langer Stahlzaun vor dem nächsten Winter einsatzbereit sein werden. Das Parlament hat das Gesetz über vorübergehende Maßnahmen zur Bekämpfung instrumentalisierter Migration bereits bis Ende 2026 verlängert, was schnelle Rückführungen irregulärer Grenzübertritte ermöglicht. Für Manager globaler Mobilität lautet die Botschaft zweifach: 1) Der grenzüberschreitende Straßenverkehr zwischen Finnland und Russland wird auf absehbare Zeit praktisch unmöglich bleiben; 2) erhöhte Sicherheitsmaßnahmen könnten zu mehr Identitätskontrollen bei Inlandsflügen nahe der Grenze und strengeren Prüfungen von Subunternehmern aus Drittstaaten bei kritischen Infrastrukturprojekten führen. Finnische Reiseveranstalter vermarkten unterdessen Lappland als „Europas sicherste Wildnis“. Während Charterflüge nach Ivalo und Rovaniemi in der Frühlingszeit der Polarlichter nahezu ausgebucht sind, hat das Ausbleiben russischer Wochenend-Einkäufer die Umsätze im Gastgewerbe in Südkarelien und Kainuu belastet. Die regionalen Behörden setzen sich für eine vorübergehende Mehrwertsteuererleichterung ein, um die Einnahmeausfälle auszugleichen.
Quelle: Euronews