
Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa und ihre Cockpit-Gewerkschaft legten ab dem 13. April um 00:01 Uhr den Flugbetrieb für 48 Stunden lahm, was dutzende grenzüberschreitende Flüge ausfallen ließ und die beiden größten Schweizer Flughäfen hart traf. Bis Montagnachmittag verzeichnete Zürich sechs, Genf zwei und der EuroAirport Basel-Mülhausen acht Flugausfälle – Zahlen, die laut Swiss Observer sich verdoppeln könnten, sobald Anschlussflüge betroffen sind. Für Schweizer Unternehmen könnte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein. Die Montagmorgen-Flüge nach Frankfurt und München sind das Rückgrat zahlreicher Tagesreisen in den Bereichen Finanzen, Pharma und Maschinenbau. Patrick Odier, Präsident von economiesuisse, erklärte gegenüber RTS: „Jeder ausgefallene FRA-ZRH-Shuttle reißt Lücken in Terminpläne und Lieferketten.“ Die aktuelle Streikwelle folgt auf einen Kabinenpersonal-Streik am 10. April, der bereits 18 Abflüge gestrichen hatte. Da die Lohnverhandlungen stocken, stehen Schweizer Reiseverantwortliche vor einem unberechenbaren Frühling. SWISS – selbst Teil der Lufthansa-Gruppe – arbeitet an Umbuchungen, warnt jedoch, dass die hohe Auslastung kaum Spielraum lässt. Einige Reisende stiegen auf die Bahn um, doch die Kapazitäten auf der ICE-Strecke Zürich–Frankfurt waren schnell ausgebucht. Arbeitsrechtler weisen darauf hin, dass das neue deutsche Tarifvertragsgesetz den Gewerkschaften mehr Macht verleiht und die Wahrscheinlichkeit von rollierenden Streiks erhöht. Für die Schweiz, die auf reibungslose Nord-Süd-Flugverbindungen angewiesen ist, lautet die Lehre: Strecken diversifizieren und die Infrastruktur für virtuelle Meetings stärken. Zieht sich der Lufthansa-Streit hin, sind engere Sitzplatzkontingente, höhere Last-Minute-Preise und zusätzlicher Druck auf Schweizer Exporteure, die zu Kunden reisen, zu erwarten.
Quelle: Swiss Observer