
Ein neues dreijähriges Decreto Flussi-Programm, das am 29. April vom italienischen Ministerrat genehmigt wurde, setzt die ehrgeizigsten Einwanderungskontingente in der Geschichte des Landes fest: 497.550 zusätzliche Nicht-EU-Arbeitskräfte für den Zeitraum 2026–2028. Für das Jahr 2026 sind allein 164.850 Genehmigungen vorgesehen, aufgeteilt auf 267.000 Saisonstellen über den Dreijahreszeitraum (hauptsächlich in Landwirtschaft und Tourismus) sowie 230.550 nicht-saisonale oder selbstständige Arbeitsplätze. Im Gegensatz zu den bisherigen einjährigen Kontingentverordnungen, die zu einem Ansturm auf die „Click-Day“-Anträge führten, soll der neue Rahmen den Arbeitgebern eine mehrjährige Planungssicherheit bieten und den Ministerien ermöglichen, die Antragsfenster zu staffeln. Die Arbeitgeberverbände Coldiretti und Confagricoltura begrüßten den Plan und betonten, dass vorhersehbare Zahlen den Betrieben helfen, die Erntehelfer Monate im Voraus zu organisieren. Für multinationale Unternehmen ist die Änderung ebenso bedeutend. Produktions- und Logistikfirmen im industriellen Norden Italiens haben oft Schwierigkeiten, Blaumann-Visa zu erhalten, wenn die Kontingente mitten im Jahr erschöpft sind. Personalverantwortliche sollten ihre Personalplanung an den neuen Kontingenten ausrichten und die Nulla-Osta-Pakete frühzeitig vorbereiten; die Behörden haben angedeutet, künftig auf ein rollierendes Antragsverfahren umzusteigen, sobald neue digitale Plattformen einsatzbereit sind. Ungeklärt bleibt jedoch, wie schnell die Konsulate Visa ausstellen können. Branchenverbände weisen darauf hin, dass Termine in Nordafrika und Südasien oft mehr als 90 Tage dauern, was Projektstarttermine gefährdet. Die Regierung plant, ein Online-Warteschlangentool zu testen und bis Herbst 300 zusätzliche Visa-Beamte einzustellen. Sollte das Dekret wie vorgesehen umgesetzt werden, positioniert sich Italien als einer der offensten Arbeitsmärkte der EU, nur Deutschland liegt bei den absoluten Zahlen noch voran. Unternehmen sollten die erwarteten Durchführungsrichtlinien – voraussichtlich im Juli – genau verfolgen, da diese Details zu Sektorbegrenzungen, regionalen Umverteilungen und Nachweispflichten für Unterkünfte enthalten werden.
Quelle: ObservAlgerie
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