
Vor der Generalversammlung der European Movement Switzerland am 10. Mai bezeichnete Aussenminister Ignazio Cassis das kürzlich ausgehandelte Paket von 18 bilateralen Abkommen mit der Europäischen Union – bekannt als „Bilaterals III“ – als „strategische Notwendigkeit“ für die Sicherheit und den Wohlstand der Schweiz. Seine Äusserungen, berichtet von SWI swissinfo, unterstreichen den Willen des Bundesrats, die Abkommen trotz drohender Referendumsgefahren durch das Parlament zu bringen. Das Paket modernisiert das Freizügigkeitsabkommen von 1999, führt eine dynamische Anpassung an sich entwickelnde EU-Regeln ein und ergänzt neue Kapitel zu Lebensmittelsicherheit, Elektrizität und öffentlicher Gesundheit. Für die globale Mobilität sind die wichtigsten Punkte vereinfachte Verfahren für Aufenthaltsbewilligungen, eine besser vorhersehbare Koordination der Sozialversicherung sowie klarere Streitbeilegungsmechanismen, die das Risiko plötzlicher regulatorischer Abweichungen verringern. Cassis warnte, Stabilität sei „nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen“. Er stellte die Abkommen als das Ticket der Schweiz dar, weiterhin am Arbeitsmarkt des Binnenmarkts teilzuhaben – ein deutlicher Gegensatz zur im Juni zur Abstimmung kommenden Initiative zur Bevölkerungsobergrenze. Multinationale Arbeitgeber begrüssten diese Botschaft. „Das Paket gibt uns die Zuversicht, regionale Hauptsitze in Zürich zu behalten, statt nach München zu verlegen“, sagte der Mobilitätsverantwortliche eines US-Biotechnologiekonzerns. Migrationsrechtler weisen jedoch darauf hin, dass die Abkommen noch ein fakultatives Referendum überstehen und detaillierte Umsetzungsgesetze verabschiedet werden müssen, weshalb praktische Änderungen vor 2027 unwahrscheinlich sind. In der Zwischenzeit wird Unternehmen empfohlen, die parlamentarischen Debatten zu verfolgen und mögliche Verzögerungen bei der Planung von Entsendungen zu berücksichtigen, insbesondere für Grenzgänger, deren Bewilligungen vom bestehenden Freizügigkeitsrahmen abhängen.
Quelle: SWI swissinfo
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