
Die französische Grenzpolizei setzte am 23. Mai das neue biometrische Ein- und Ausreisesystem (EES) der EU am Hafen von Dover vorübergehend aus, nachdem sich die Warteschlangen bei 30 °C Hitze auf bis zu sechs Stunden ausgedehnt hatten. Die Behörden erklärten, die Pause sei notwendig, um einen Rückstau von 8.000 Fahrzeugen abzubauen, die für den geschäftigen Feiertagsverkehr nach Frankreich gebucht waren. Das seit April aktive EES erfasst Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto aller Nicht-EU-Reisenden – darunter auch britische Einwohner und irische Autofahrer, die über die Landbrücken des Vereinigten Königreichs nach Kontinentaleuropa reisen. Obwohl die Republik Irland beim EES an ihren eigenen Außengrenzen ausgenommen ist, müssen irische Staatsbürger, die die Fähre Dublin–Holyhead nehmen und nach Dover fahren, bei der Ausreise nach Frankreich dennoch die Kontrolle durchlaufen. Die heutige Aussetzung brachte daher unerwartete Erleichterung für Busunternehmen und Speditionen, die zeitkritische Lieferungen von irischen Fabriken über die Landbrücke des Vereinigten Königreichs abwickeln. Die Hafenleitung räumte „Frustration“ über die Abfertigungsgeschwindigkeit ein, trotz monatelanger Testphasen. Branchenverbände warnten, dass es im Sommer voraussichtlich immer wieder zu vorübergehenden Aussetzungen kommen werde, während Personal und Reisende sich an die Fingerabdruckterminals und Fotokabinen gewöhnen. Firmenmobilitätsteams werden aufgefordert, längere Zwischenzeiten in die Lieferkettenplanung einzubauen und Fahrer auf mögliche Verzögerungen bei der Datenerfassung vorzubereiten, sobald die biometrischen Kontrollen wieder aufgenommen werden. Mittelfristig verdeutlichen die Engpässe in Dover eine größere Herausforderung für irische Exporteure: Ab Ende 2026 wird das separate ETIAS-Reisegenehmigungssystem eine weitere Vorabformalität für viele Drittstaatsangehörige sein, die bei irischen Unternehmen beschäftigt sind. Die heutigen Ereignisse liefern eine frühe Fallstudie dafür, wie neue EU-Grenztechnologien mit saisonalen Spitzen kollidieren können – mit spürbaren Kosten- und Zeitplanfolgen für Unternehmen, die auf die Landbrücke Großbritanniens angewiesen sind.