
Treffen in Brüssel am 26. Mai: Der Rat für Allgemeine Angelegenheiten, bestehend aus den Ministern für Europafragen, widmete einen großen Teil seiner Tagesordnung der Migrationssteuerung – weniger als drei Wochen vor Inkrafttreten des umfassenden EU-Pakts für Migration und Asyl am 12. Juni 2026. Die zyprische Staatssekretärin Marilena Raouna, die die Sitzung unter der rotierenden Ratspräsidentschaft leitete, berichtete von „stetigen, aber ungleichmäßigen“ Fortschritten bei den technischen Säulen, die die Mobilität von Unternehmen direkt betreffen: dem Ein- und Ausreisesystem (EES), der ETIAS-Reisegenehmigung und der verbesserten Eurodac-Fingerabdruckdatenbank. Mehrere Delegationen warnten vor Personalengpässen an den Außengrenzen, die diesen Sommer zu Verzögerungen für Nicht-EU-Reisende führen könnten, und forderten die Kommission auf, Notfallmittel zur Einstellung und Schulung weiterer Grenzschutzkräfte bereitzustellen. Belgien, Gastgeber des Rats und Sitz der EU-IT-Agenturen, die EES-Tests koordinieren, betonte seine Einsatzbereitschaft am Flughafen Brüssel und im Hafen von Zeebrügge, mahnte jedoch die Nachbarstaaten, die Interoperabilitätsprüfungen „innerhalb von Wochen, nicht Monaten“ abzuschließen. Die Minister tauschten sich zudem über die externe Dimension der Migration aus, wobei Belgien den Solidaritätspool-Mechanismus 2026 unterstützte, der Umsiedlungen und Rückführungen finanziert – eine mögliche Entlastung für das überlastete belgische Asylaufnahme-System. Aus Sicht der Unternehmensmobilität signalisiert die Diskussion, dass biometrische Ausreisekontrollen für alle Drittstaatsangehörigen, die Belgien nach dem 12. Juni verlassen, unvermeidlich werden. Arbeitgeber sollten sicherstellen, dass entsandte Mitarbeiter aus Großbritannien, den USA und anderen visumfreien Ländern mit gültigen Passdaten in den HR-Systemen registriert sind, damit kurzfristige Passverlängerungen keine ETIAS-Ablehnungen auslösen. Der Ruf des Rates nach einer zentralen Anlaufstelle zur Lösung von EES-Problemen könnte zudem den Weg für ein besser planbares Passagieraufkommen am Flughafen Brüssel-Zaventem ebnen. Parallel verabschiedeten die Minister neue Regeln, die EU-Bürgern mit Wohnsitz in einem anderen Mitgliedstaat das Wahlrecht und die Kandidatur bei Kommunalwahlen ermöglichen – ein kleiner, aber symbolträchtiger Fortschritt für die inner-europäische Mobilität. Die Richtlinie muss nun innerhalb von zwei Jahren in belgisches Recht umgesetzt werden und stärkt damit die Rechte langfristig im Land lebender Expatriates.
Quelle: Council of the European Union