
SHANGHAI – Die größte B2B-Reisemesse Chinas, die ITB China 2026, eröffnete am 27. Mai im Shanghai World Expo Exhibition & Convention Center. Über drei Tage hinweg treffen mehr als 900 Tourismusverbände, Fluggesellschaften, Hotelketten, Kreuzfahrtanbieter und Technologieunternehmen aus 85 Ländern auf 1.700 vorqualifizierte chinesische Einkäufer – in geschätzten 46.000 vorab geplanten Terminen. Die diesjährige Ausgabe unterscheidet sich deutlich von der vorsichtigen, überwiegend auf den Inlandmarkt ausgerichteten Messe im Jahr 2024. Seit Ende 2025 hat Peking eine beispiellose Welle einreisefreundlicher Maßnahmen eingeführt – darunter Visafreiheit für 50 Länder, Wiedereinführung der Transitvisafreiheit an 65 Einreisepunkten und beschleunigte E-Payment-Integration für ausländische Bankkarten. Laut der Shanghai General Station of Immigration Inspection verzeichnete die Stadt bis Mitte März 1,172 Millionen ausländische Ankünfte, ein Plus von 20 Prozent im Jahresvergleich, wobei zwei Drittel der Besucher visafrei oder im Rahmen der 144-Stunden-Transitregelung einreisten. Aussteller berichten, dass diese politischen Impulse bereits zu Buchungen führen. Der indische Reiseveranstalter Gautam Kumar Bakuly erklärte gegenüber Shanghai Daily, dass sein Unternehmen gerade Inbound-Pakete für Beijing, Shanghai und Xi’an finalisiert – unterstützt durch vereinfachte Online-Visasysteme und wettbewerbsfähige Flugpreise zwischen Indien und China. Benjamin Bouldin, Präsident von Royal Caribbean China, enthüllte, dass bei der jüngsten Abfahrt der Reederei in Shanghai im März 88 Prozent der Passagiere Ausländer waren. Die Kreuzfahrtbuchungen aus Europa und dem Nahen Osten liegen „15 bis 20 Prozent über dem Niveau von 2019“. Für Destination-Marketing-Organisationen stehen viel auf dem Spiel. Das Department of Culture and Tourism von Abu Dhabi kündigte eine Verfünffachung der Sitzplatzkapazität nach China ab Oktober an – dank eines neuen Etihad–China Eastern Codeshare-Abkommens. Italienische Vertreter aus Friaul-Julisch Venetien präsentierten langsame Reiserouten, die mit Chinas verlängerten 30-tägigen visafreien Aufenthalten harmonieren. In den Konferenzpanels zog sich ein gemeinsames Thema durch: Mit gesenkten Einreisehürden muss die Servicequalität Schritt halten. Sprecher von Trip.com Group und Tencent Maps forderten von Anbietern mehrwährungsfähige digitale Zahlungen, KI-gestützte Mandarin-Chatbots und CO2-Tracking-Tools, die besonders von jüngeren, nachhaltigkeitsbewussten chinesischen Reisenden verlangt werden. Inbound-Spezialisten warnten zugleich, dass visafreie Besucher weiterhin bei den Sicherheitsbehörden registriert werden müssen, und rieten Hotels, die neue Online-Meldeplattform der National Immigration Administration zu nutzen, um Compliance-Probleme zu vermeiden. Für multinationale Unternehmen gehen die Auswirkungen über den Tourismussektor hinaus. Firmen wie Schneider Electric und Siemens entsandten Mobilitätsteams zur ITB Corporate Travel Area, um Hotelpreisobergrenzen in China neu zu verhandeln und grüne Einwanderungsservices für kurzzeitige Projektteams zu erkunden. Während China bis 2030 80 Millionen eingehende Besucher anstrebt, ist der Konsens hier eindeutig: Reibungslose Einreise steht wieder ganz oben auf der Agenda – und globale Akteure, die frühzeitig wieder einsteigen, können sich einen entscheidenden Vorsprung sichern.