
Am 18. Juni reichte eine Koalition aus Flüchtlingsanwälten und zivilgesellschaftlichen Gruppen beim Bundesgericht eine Klage ein, in der argumentiert wird, dass Kanada Asylsuchende, die im Rahmen des Abkommens über sichere Drittstaaten (Safe Third Country Agreement, STCA) in die USA zurückgeschickt werden, nicht ausreichend schützt. Im Mittelpunkt des Falls steht eine honduranische Familie, die angibt, dass kanadische Beamte an einem offiziellen Landgrenzübergang sie vor die Wahl stellten, entweder getrennt zu werden oder gemeinsam zurückgeschickt zu werden. Die Familie entschied sich, zusammenzubleiben, wurde daraufhin in den USA inhaftiert und nach Honduras abgeschoben. Die Klage fordert, dass Kanada verpflichtet ist, vor einer Rückführung die Sicherheit der USA für einzelne Antragsteller neu zu bewerten, insbesondere angesichts jüngster US-Politikänderungen bezüglich Familienhaft und beschleunigter Abschiebungen. Die Kläger verlangen eine Entscheidung, die Kanada dazu verpflichtet, individuelle Risikoabschätzungen vor der Rückführung durchzuführen – oder zumindest aussagekräftige „Sicherheitsgespräche“ – anstatt eine pauschale Rückweisung anzuwenden. Aus globaler Mobilitätsperspektive könnte die Klage grenzüberschreitende Abläufe für Unternehmen erschweren, die Mitarbeiter mit unsicherem Aufenthaltsstatus in einem der beiden Länder entsenden. Sollte das Gericht zusätzliche Verfahrensschutzmaßnahmen anordnen, könnten sich die Kontrollzeiten an stark frequentierten Grenzübergängen wie Windsor-Detroit und Pacific Highway verlängern, was Just-in-Time-Lieferketten und Geschäftsreisen beeinträchtigen würde. Die Regierungsanwälte haben 30 Tage Zeit, um zu antworten. Während Ottawa das STCA als Grundpfeiler einer geordneten Asylverwaltung verteidigt, hat es zugesagt, die „betrieblichen Richtlinien“ im Lichte der Klage zu überprüfen. Unternehmen, die regelmäßig Personal über die Grenze schicken, sollten den Fall genau beobachten: Ein Urteil, das Teile des STCA aufhebt, hätte unmittelbare operative Folgen und könnte eine Neuverhandlung des 20 Jahre alten Abkommens auslösen.
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