
Die Polizei in Bologna hat ein ausgeklügeltes Schleusungssystem aufgedeckt, das einen scheinbar gewöhnlichen Handyshop in der Via Marconi zu einem illegalen Einwanderungsknotenpunkt machte. Laut der Emilia-Romagna-Sondereinheit bot das von Sri-Lankern geführte Geschäft potenziellen Migranten gefälschte Arbeitsverträge, manipulierte Gehaltsabrechnungen und falsche Unterkunftserklärungen an, um die Arbeitsvisum-Quoten des italienischen Decreto Flussi auszunutzen. Ermittler berichten, dass der Ring zwischen 2022 und 2025 fast 100 Staatsangehörige aus Sri Lanka, Bangladesch und Marokko ins Land brachte. Die Opfer zahlten demnach zwischen 10.000 und 20.000 Euro für ein „Rundum-sorglos-Paket“, das die Nulla-Osta-Anträge, Flugbuchungen und Ankunftspapiere beinhaltete. Am 1. Juli 2026 ordnete der Ermittlungsrichter acht Vorsichtsmaßnahmen an: Drei Verdächtige (alle sri-lankische Männer im Alter von 51 bis 57 Jahren) wurden in Untersuchungshaft genommen, während drei Landsleute – darunter der Ladenbesitzer – sowie zwei Italiener unter Hausarrest gestellt wurden. Ihnen wird Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Wucher und Erpressung vorgeworfen. Das Geschäft wurde beschlagnahmt. Der Fall zeigt eine unbeabsichtigte Folge des erweiterten Arbeitsvisumprogramms Italiens für 2026-28: Kriminelle Mittelsmänner machen sich die Komplexität des Online-Click-Day-Systems und den Mangel an legitimen Sponsoren zunutze. Für Unternehmen, die tatsächlich ausländische Fachkräfte benötigen, ist der Vorfall eine Mahnung, bei Drittanbietern, die „Arbeitsgenehmigungen arrangieren“ wollen, sorgfältige Prüfungen durchzuführen. Das Innenministerium plant, die Dokumentenprüfung bei den lokalen Sportelli Unici per l’Immigrazione zu verschärfen und elektronische Abgleiche zwischen Arbeitsämtern und Steuerdatenbanken einzuführen, bevor das nächste Quotenfenster im Januar 2027 öffnet. Arbeitgeber, die bereits nicht-EU-Mitarbeiter sponsern, sollten mit längeren Bearbeitungszeiten rechnen, da Behörden frühere Genehmigungen auf Basis verdächtiger Verträge überprüfen – insbesondere in Emilia-Romagna und Kampanien, wo die Ermittlungen Verbindungen zu einem sogenannten „Boss von Salerno“ aufdeckten, der gefälschte Jobangebote lieferte. Multinationale Unternehmen wird empfohlen, detaillierte Lohn- und Wohnnachweise aufzubewahren, um sich auf mögliche Nachprüfungen vorzubereiten.
Quelle: ANSA
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