
Die Billigfluggesellschaft Ryanair erhöht am 2. Juli den Druck auf die deutschen Behörden und warnt, dass die Einführung der verpflichtenden Fingerabdruckerfassung im Rahmen des Ein- und Ausreisesystems (EES) zu „Schlangenchaos“ am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und anderen deutschen Flughäfen führen könnte. Neal McMahon, Betriebsleiter von Ryanair, berichtete gegenüber britischen und deutschen Medien, dass Nicht-EU-Passagiere am Terminal 2 des BER – dem Standort von Ryanair und Wizz Air – bereits Wartezeiten von bis zu zwei Stunden in Kauf nehmen müssten. Er bezeichnete die Situation als „im Sommer nicht zumutbar“. Die Flughafenchefin Aletta von Massenbach bestätigte diese Zahlen und erklärte, dass aufgrund von Verzögerungen bei der Softwareintegration bislang nur sechs der geplanten 20 biometrischen Kioske in Betrieb seien. Um die Warteschlangen zu bewältigen, hat der Flughafen Zelte vor dem Terminal aufgestellt und 60 temporäre Mitarbeiter vom Flughafen Dresden eingeflogen, warnt jedoch, dass die tägliche Spitzenkapazität ab Beginn der Berliner Sommerferien am 18. Juli um bis zu 35 Prozent überschritten werden könnte. Ryanair fordert die Europäische Kommission auf, die Fingerabdruckpflicht mindestens bis September auszusetzen – eine Forderung, die auch in einem branchenweiten Schreiben von ACI Europe und IATA Anfang der Woche erhoben wurde. Der deutsche Reiseveranstalterverband DRV warnt, dass Freizeitgruppen Gefahr laufen, Anschlussbusse und Fährverbindungen zu verpassen, während Geschäftsreisende steigende Kosten befürchten, wenn Mitarbeiter Meetings versäumen oder Übernachtungen notwendig werden. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass Fluggesellschaften nach EU-Verordnung 261 auch bei Einreiseverzögerungen für Entschädigungen bei Nichtbeförderung haften, sofern sie keine „außergewöhnlichen Umstände“ nachweisen können. Ryanair sieht in der systematischen Natur der Verzögerungen jedoch eine Grundlage für eine Ausnahmeregelung. Für Mobilitätsmanager lautet die unmittelbare Empfehlung, Reisende auf mögliche lange Wartezeiten am BER vorzubereiten und zur Voranmeldung über die bald erscheinende EU-App „Travel to Europe“ zu ermutigen. Einige Unternehmen verlegen bereits innergemeinschaftliche Meetings nach Warschau oder Prag, um Berlin bis zur Stabilisierung der Lage zu meiden.
Quelle: The Guardian
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