
Der französische Tourismussektor wurde am 8. Juli von einer weiteren überraschenden Nachricht aus Brüssel überrascht: Euronews berichtete, dass das European Travel Information and Authorisation System (ETIAS) – ein 20-Euro „E-Visum“, das Nicht-EU-Bürger vor einem Besuch im Schengen-Raum beantragen müssen – nun voraussichtlich erst 2027 statt im letzten Quartal 2026 eingeführt wird. Laut Angaben von EU-LISA, zitiert vom Financial Times, sei die Einführung des neuen Vorabgenehmigungsprogramms in diesem Jahr „illusorisch“, da die Flughäfen weiterhin mit dem biometrischen Ein- und Ausreisesystem (EES), das im April vollständig aktiviert wurde, kämpfen. Fluggesellschaften, ACI Europe und IATA warnten Kommissionspräsidentin von der Leyen bereits am 1. Juli, dass die Warteschlangen beim EES einen „kritischen Punkt“ erreicht hätten, insbesondere an wichtigen französischen Drehkreuzen wie Paris-CDG sowie den Grenzterminals in Calais und Gare du Nord. Laut dem vorläufigen Zeitplan soll ETIAS sechs Monate vor der verpflichtenden Einführung für Anträge geöffnet werden und eine Übergangsphase beinhalten, in der Reisenden ohne Genehmigung die Einreise nicht verweigert wird. Für französische Unternehmen, die auf kurzfristige Besuche von Mitarbeitern aus den USA, Großbritannien oder Kanada angewiesen sind, verschafft die Verzögerung wertvolle Zeit, um Personalprozesse und Reisebuchungen anzupassen. Für den französischen Staat entlastet die Verschiebung die ohnehin stark beanspruchten Konsularplattformen, die mit einer Rekordzahl von 2,96 Millionen ausgestellten Visa im Jahr 2025 zu kämpfen haben, sowie die Grenzpolizeigewerkschaften, die bereits Personalengpässe beklagen. Gleichzeitig dämpft sie jedoch die kurzfristigen Einnahmeerwartungen aus der 20-Euro-Gebühr, von der ein Teil für die Modernisierung der Grenzinfrastruktur vor der Tourismussaison 2027 vorgesehen war. Praktischer Tipp für Mobility-Manager: ETIAS weiterhin im Blick behalten, aber die Ressourcen vorrangig darauf konzentrieren, Reisende bei der biometrischen Registrierung für das EES zu unterstützen und realistische Anschlusszeiten an französischen Flughäfen, Eurotunnel und Fährhäfen bis Sommer 2026 einzuplanen.
Quelle: Euronews