
Weniger als zwei Wochen nachdem Australien die meisten Visaantragsgebühren stillschweigend erhöht hat, wächst die Kritik rapide. Ein am 13. Juli 2026 vom Guardian veröffentlichter Bericht erklärt, dass die Gebühren im Durchschnitt um rund 25 Prozent gestiegen sind, bei bestimmten Visakategorien sogar um dreistellige Prozentsätze. Die Gebühr für das Resident Return Visa (RRV) stieg von 490 auf 1.475 australische Dollar, während das Temporary Graduate Visa (Subclass 485) innerhalb von sechs Monaten zum zweiten Mal auf 5.750 australische Dollar verdoppelt wurde. Die Gebühren für Skilled-Independent (Subclass 189) und Partner-Visa erhöhten sich jeweils um 25 Prozent. Universities Australia und die Australian Chamber of Commerce and Industry warnen, dass diese Änderungen die Attraktivität des Landes für Studierende und Fachkräfte erheblich beeinträchtigen. Da die internationale Bildung jährlich mehr als 40 Milliarden australische Dollar einbringt, betonen Spitzenverbände, dass die höheren Kosten die ohnehin strengeren Regeln für die Arbeit nach dem Studium und die steigenden Ablehnungsquoten zusätzlich erschweren. Studierendengruppen raten potenziellen Bewerbern offen dazu, Kanada oder das Vereinigte Königreich in Betracht zu ziehen, wo vergleichbare Graduate-Work-Visa nur einen Bruchteil der australischen Kosten verursachen. Das Innenministerium argumentiert, dass die Erhöhungen nur einen „kleinen Anteil“ der Gesamtkosten für Studium oder Migration ausmachen und notwendig seien, um Reformen im Einwanderungssystem zu finanzieren. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass die Einnahmen aus den Visagebühren in den allgemeinen Haushalt fließen und nicht in einen zweckgebundenen Grenzschutzfonds, was den Eindruck verstärkt, dass Migranten als finanzielle Puffer in Zeiten von Haushaltskürzungen missbraucht werden. Für Arbeitgeber bedeutet dies vor allem höhere Vorlaufkosten bei der Arbeitsmobilität. Eine Standard-Nominierung für das Subclass 482 Skills-in-Demand-Visum kostet inklusive Regierungsgebühren, Kompetenzbewertungen und Gesundheitschecks jetzt über 10.000 australische Dollar – deutlich mehr als vergleichbare Programme in Neuseeland und Irland. Manager für globale Mobilität überprüfen derzeit ihre Budgetpläne und verschieben teilweise Starttermine in das neue Geschäftsjahr, um den Cashflow zu entlasten. Politische Experten sehen die Preisänderungen als Teil einer umfassenderen Strategie, die Nettozuwanderung von ihrem pandemiebedingten Rekordwert von 539.000 im Jahr 2025-26 auf voraussichtlich 315.000 bis 2027 zu reduzieren. Ob allein die Kostenabschreckung dieses Ziel erreichen kann, ohne Universitäten und arbeitsintensive Branchen wie Altenpflege und Bauwesen zu schädigen, bleibt stark umstritten.
Quelle: The Guardian