
Ein umstrittener Pilotversuch des britischen Innenministeriums wird ab dem 23. Februar in Holyhead mit Live-Gesichtserkennungssystemen (LFR) gestartet. Holyhead ist der verkehrsreichste Seeweg zwischen Großbritannien und der Republik Irland und wickelt jährlich rund zwei Millionen Passagiere ab. Die britischen Einwanderungsbehörden werden alle Personen filmen, die von den Fähren aus Dublin und Rosslare aussteigen, und ihre Gesichter mit einer Beobachtungsliste von zuvor abgeschobenen oder wegen schwerer Straftaten verdächtigten Personen abgleichen. Interne Dokumente des Innenministeriums, die The Irish Times vorliegen, zeigen, dass Holyhead ausgewählt wurde, weil Geheimdiensterkenntnisse darauf hindeuten, dass Personen, die aus Großbritannien ausgewiesen wurden, den Common Travel Area (CTA) nutzen, um heimlich wieder einzureisen. Frühere sechstägige Tests im November erfassten 7.500 Gesichter und führten zu einer Festnahme, was die Behörden veranlasste, das Experiment auszuweiten. Bürgerrechtsgruppen auf beiden Seiten der Irischen See kritisieren das Vorhaben scharf. Úna Boyd vom Committee on the Administration of Justice argumentiert, dass der Einsatz von LFR auf einer normalerweise kontrollfreien Route „den passfreien Common Travel Area untergräbt und Massenüberwachung normalisiert“. Dr. Elizabeth Farries vom University College Dublin warnt vor einem „Mission Creep“, sobald die Technologie etabliert ist. Die irische Regierung beobachtet die Entwicklungen genau, weist jedoch darauf hin, dass Einsätze in einer anderen Gerichtsbarkeit Sache Londons sind. In Dublin ist die Debatte über die Ausweitung ähnlicher Befugnisse auf An Garda Síochána wegen menschenrechtlicher Bedenken ins Stocken geraten. Für Unternehmen mit grenzüberschreitenden Lieferketten und Pendler, die wöchentlich zwischen Büros in Dublin und Großbritannien pendeln, signalisiert der Pilotversuch eine deutlich intensivere Kontrollumgebung. Arbeitgeber sollten ihre mobilen Mitarbeiter auf mögliche Verzögerungen und Datenschutzprobleme hinweisen und sicherstellen, dass sie auch auf vermeintlich dokumentfreien CTA-Reisen gültige Ausweise mitführen.
Quelle: The Irish Times
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