
Kaum eine Woche nach dem Start der Massenlegalisierung in Spanien stoßen die lokalen Verwaltungen unter der administrativen Last von Hunderttausenden Antragstellern, die das neu vorgeschriebene „Zertifikat zur sozialen Verwundbarkeit“ benötigen, an ihre Grenzen. Dieses Dokument – erst spät im Gesetzgebungsprozess eingeführt, um Menschen in prekären Verhältnissen zu priorisieren – muss den meisten Legalisierungsanträgen beigefügt werden. Am Freitag bildeten sich vor dem Rathaus von Barcelona lange Schlangen, nachdem viele Hoffnungsvolle über Nacht campierten, um eines der nur 300 Vormittagstickets zu ergattern. Ähnliche Szenen spielten sich in Madrid, Valencia und Sevilla ab, wo die Sozialämter eine vierfache Steigerung ihres üblichen Arbeitsaufkommens melden. Laut dem Madrider Stadtrat stiegen die täglichen Terminwünsche nach Veröffentlichung des Königlichen Erlasses 316/2026 von 1.500 auf 5.500. Mitarbeiter wurden aus anderen Abteilungen abgezogen, doch Gewerkschaften warnen vor Burnout und sinkender Servicequalität. Für Arbeitgeber bedeutet der „Vulnerabilitäts-Stau“ ein echtes operatives Risiko: Ohne das Zertifikat können Anträge nicht abgeschlossen und die Beschäftigten nicht bei der Sozialversicherung angemeldet werden. Branchenverbände aus Bau und Logistik warnen, dass Projektpläne ins Stocken geraten könnten, wenn die Teams von Subunternehmern in der Schwebe bleiben. Einige Regionalregierungen testen bereits Triage-Systeme: Katalonien stellt nun innerhalb von 48 Stunden eine vorläufige Bestätigung mit QR-Code aus, die es Migranten ermöglicht, Fingerabdrucktermine zu buchen, während das vollständige Zertifikat bearbeitet wird. Juristen raten Unternehmen, frühzeitig Nachweise über Wohnsitz, Einkommen und soziale Unterstützung zu sammeln, da fehlende Dokumente die Hauptursache für Ablehnungen sind. Experten sehen in der Situation einen Beleg für die zersplitterte kommunale Infrastruktur Spaniens und fordern ein nationales digitales Portal, das die Vulnerabilitätskriterien zentral überprüft – ähnlich dem System für ukrainische Aufenthaltsgenehmigungen. Ob eine solche Modernisierung vor der Frist am 30. Juni kommt, ist fraglich, sodass Unternehmen weiterhin mit einem Flickenteppich kommunaler Regelungen zurechtkommen müssen.
Quelle: El País
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