
In einem ausführlichen Fernsehinterview am 30. April stellte Spaniens Migrationsministerin Elma Saiz die neue Migrationsstrategie des Landes als „fast schon Staatsstrategie“ vor, die auf langfristiger Wirtschaftsplanung und sozialem Zusammenhalt basiert. Saiz verteidigte das außergewöhnliche Legalisierungsprogramm, das durch das Königliche Dekret 316/2026 geschaffen wurde und ein zehnwöchiges Zeitfenster (16. April – 30. Juni 2026) für schätzungsweise 500.000 undokumentierte Ausländer eröffnet, die einen fünfmonatigen Aufenthalt nachweisen können, um einen legalen Status zu erhalten. Die Ministerin betonte, dass Spaniens akute demografische Herausforderungen – die Erwerbsbevölkerung soll in den nächsten zehn Jahren um drei Millionen schrumpfen – eine „geordnete, reguläre und sichere“ Migration erfordern, statt ad-hoc-Grenzkontrollen. Regierungsmodelle zeigen, dass ohne anhaltende Zuwanderung das spanische BIP bis 2075 um 22 % sinken und die Bevölkerung um 15 Millionen zurückgehen könnte. Brüssel und mehrere EU-Hauptstädte äußerten Bedenken, dass neu legalisierte Migranten sich anderswo im Schengen-Raum niederlassen könnten. Saiz entgegnete, dass die Aufenthaltserlaubnisse auf spanisches Hoheitsgebiet beschränkt und vollständig EU-rechtskonform seien. Sie argumentierte zudem, dass Spaniens Ansatz bereits zu einem Rückgang der irregulären Ankünfte auf den Kanarischen Inseln um 18 % im Jahresvergleich geführt habe, was zeige, dass „humanitäres Management“ mit effektiver Grenzkontrolle vereinbar sei. Wirtschaftsverbände begrüßten das Programm weitgehend und wiesen darauf hin, dass Landwirtschaft, Baugewerbe und Altenpflege unter chronischem Arbeitskräftemangel leiden. Spanische und multinationale Arbeitgeber bereiten beschleunigte Rekrutierungsprozesse vor, da die ersten Aufenthaltstitel im Juli ausgegeben werden sollen. Migrationsanwälte warnen jedoch vor Engpässen: Das Ausländeramt in Madrid bearbeitete 2025 bereits 92.000 Anträge, erwartet aber während des Zeitfensters 2026 mehr als das Dreifache. Für Mobility-Manager in Unternehmen ist die Botschaft klar: Spanien setzt auf groß angelegte Integration statt Ausgrenzung. Firmen, die bereits lokale Mitarbeiter beschäftigen, sollten die Bearbeitungszeiten im Auge behalten und bereit sein, ihre Mitarbeiter bei der Beschaffung von Nachweisen über den Aufenthalt vor 2026 zu unterstützen, während Unternehmen, die in Spanien expandieren wollen, bald auf einen größeren Pool an arbeitsberechtigten Talenten zugreifen können.
Quelle: Euronews
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