
Neue Arbeitsmarktdaten, veröffentlicht von Folha de S.Paulo am 25. Mai, zeigen, dass chinesische Staatsangehörige im ersten Quartal 2026 38 Prozent aller in Brasilien ausgestellten Arbeitsvisa ausmachten – 3.193 von insgesamt 8.232. Der monatliche Durchschnitt an Visa für chinesische Bürger liegt seit Mitte 2025 bei über 1.000, nach nur 270 vor zwei Jahren. Bahia nimmt 55 Prozent dieser Ankünfte auf, vor allem wegen des BYD-Elektrofahrzeugwerks in Camaçari. Der Autohersteller hat seit Januar 2025 allein 2.700 Visa für Ingenieure und Montagetrainer gesichert; auch die Subunternehmer Falcão Engenharia und Engenova sind stark vertreten. Führungskräfte berichten, dass die meisten Entsandten 90 bis 120 Tage bleiben, um Technologietransfer zu gewährleisten, während die lokale Belegschaft aufgebaut wird. Auch im Geschäftsviertel Berrini in São Paulo ist der chinesische Einfluss spürbar: Mehr als 50 Festlandchinesische Firmen unterhalten dort Büros, was zu Mandarin-sprachigen Restaurants und Dienstleistern führt. Der Zustrom löst Debatten aus: Gewerkschaften beklagen Lohndruck und angebliche Bevorzugung von Expats, während Einwanderungsanwälte betonen, dass die brasilianische 2/3-Regel – zwei brasilianische Mitarbeiter pro ausländischem Angestellten – weiterhin gilt. Das Justizministerium führt den Anstieg auf vereinfachte Verfahren durch das brasilianische Migrationsgesetz von 2017 und die Strategie des Landes zurück, gezielt ausländische Direktinvestitionen in erneuerbare Energien und Elektromobilität anzuziehen. Analysten warnen Personalabteilungen, die Quoten im Blick zu behalten: Wird die Grenze von einem Drittel der Lohnkosten für Ausländer überschritten, drohen Bußgelder und Vertragsaussetzungen. Für Städte wie Camaçari sorgt die kurzfristige Nachfrage nach Wohnraum und Schulen durch Expats bereits jetzt für einen Aufschwung der lokalen Wirtschaft.
Quelle: Folha de S.Paulo