
Auf seiner elektronischen Sitzung am 3. Juli 2026 hat der Bundesrat in zweiter Lesung einen königlichen Erlass verabschiedet, der die Ausbildung des Personals des Einwanderungsamts, das ausländische Staatsangehörige bei Abschiebeflügen begleitet, grundlegend reformiert. Die Maßnahme, initiiert von Innenminister Bernard Quintin und Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt, legt den Lehrplan, medizinische Eignungsstandards und die jährliche Rezertifizierung für rund 220 „DVZ-Begleiter“ fest. Nach den neuen Regeln erhalten die Auszubildenden 160 Stunden Unterricht zu Deeskalationstechniken, Menschenrechtskonformität, Fesselungsprozeduren an Bord und Nachberichterstattung. Ein psychologischer Eignungstest sowie szenariobasierte Simulationen in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsakademie von Brussels Airlines sind nun verpflichtend. Der Erlass reagiert auf wiederholte Kritik des belgischen Ombudsmanns und des Europarats, die inkonsistenten Einsatz von Gewalt und mangelhafte Dokumentation bei früheren Abschiebungen bemängelten. Für Akteure der globalen Mobilität ist die Entscheidung ein Signal, dass Belgien die Durchsetzung verschärft, während es gleichzeitig Fachkräfte anwirbt. Unternehmen sollten Risikobewertungen für ausländische Mitarbeitende mit möglicherweise auslaufendem Aufenthaltsstatus (z. B. entsandte Mitarbeiter mit ablaufenden A-Karten) überprüfen und rechtzeitige Verlängerungen sicherstellen, um administrative Abschiebungen zu vermeiden. Fluggesellschaften, die Ad-hoc-Rückführungen durchführen, müssen Kabinenplätze für Begleiter in bestimmten Verhältnissen bereitstellen (ein Begleiter pro rückzuführendem Passagier, zwei bei „nicht kooperativen“ Profilen) und die Daten von Körperkameras bei Ankunft auslesen. Der Erlass tritt am 1. September 2026 in Kraft und gibt den Fluggesellschaften und Dienstleistern acht Wochen Zeit, ihre Standardarbeitsanweisungen anzupassen. Das Migrationsministerium betont, dass die Professionalisierung der Begleiterausbildung sowohl die Würde der Rückkehrer schützt als auch Haftungsansprüche reduziert. Die Oppositionsparteien begrüßen die klareren Standards, fordern jedoch eine unabhängige Kontrolle durch zivilgesellschaftliche Beobachter.
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