
Schlangen, die sich durch die Abflughalle in Zaventem ziehen, sind das sichtbarste belgische Zeichen für das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union. Seit dem 10. April 2026 ersetzt die biometrische Grenzkontrollplattform die herkömmlichen Passstempel durch die Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern bei allen Nicht-EU-Reisenden. Während die Europäische Kommission betont, dass die Einführung „reibungslos“ verläuft, zeichnen die Szenen am Brüsseler Flughafen in dieser Woche ein anderes Bild. Fotos, die Euronews am 2. Juli veröffentlichte, zeigen Urlauber, die sich in stickigen Gängen nur langsam vorwärtsbewegen, Gepäckwagen zurücklassen und mehr als eine Stunde warten, nur um zu einem EES-Kiosk zu gelangen. Branchenverbände warnen, dass die Sommerreisewelle die Verzögerungen in eine ausgewachsene Betriebskrise verwandeln könnte. Airlines for Europe (A4E), Airports Council International Europe und IATA schätzen, dass die belgischen Flughäfen im Juli und August fünf Millionen Passagiere mehr abfertigen als im Frühjahr; jede zusätzliche biometrische Kontrolle von 70 Sekunden verschärft somit den Personalmangel und die Staus an den Gates. In Zaventem hat die Bundespolizei Beamte aus der Nebensaison an die Kontrollstellen versetzt, und die Flughafenbehörde installiert 60 Selbstbedienungskioske sowie zwei zusätzliche manuelle Kontrollspuren, doch die Betriebsleiter geben zu, dass dies die Spitzenbelastung „nur teilweise auffangen“ wird. Aus Sicht der Geschäftsreisenden könnte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein. Die Nachfrage nach Geschäftsreisen hat sich laut BBTCA auf 93 % des Vorkrisenniveaus auf den Brüsseler Strecken erholt, und multinationale Unternehmen planen wieder Quartalsabschluss-Meetings in ihren Hauptquartieren in Flandern. Verzögerungen am ersten Schengen-Einreisepunkt gefährden, dass Mitarbeiter Anschlusszüge nach Antwerpen oder zu EU-Institutionen in Luxemburg erreichen, treiben Kosten in die Höhe und untergraben klimafreundliche Reisekonzepte, die auf enge multimodale Umstiege setzen. Praktische Tipps von Umzugsberatern lauten: 90 Minuten mehr Zeit zwischen Landung und Weiterreise einplanen; Erstankömmlinge aus Nicht-EU-Ländern ermutigen, ihre biometrischen Daten in weniger frequentierten Nachmittagszeiten zu erfassen; und Daten vorab registrieren, wo die Integration mit Airline-APIs dies erlaubt. Die belgischen Behörden rufen derweil zur Geduld auf und betonen, dass die Ablehnungsquoten seit Mitte Mai um 15 % gesunken sind, da die Passagiere sich an das Verfahren gewöhnen, und dass die längsten Warteschlangen vor allem in den Abflugwellen von 7 bis 10 Uhr auftreten.
Quelle: Euronews
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