
Irlands 1,4-Milliarden-Euro-Branche für Englischsprachkurse steckt nach Äußerungen zweier Kabinettsminister, die einige Colleges als „Hintertür“ für Einwanderung bezeichneten, in einer vollen Krisenmanagement-Phase. In getrennten Schreiben vom 20. Februar 2026 an Justizminister Jim O’Callaghan und Minister für Weiterbildung James Lawless forderte der Branchenvertreter English Education Ireland die Regierung auf, Daten vorzulegen, die einen „systematischen Missbrauch“ belegen. Im Zentrum der Debatte steht die Studenten-Aufenthaltsgenehmigung, die Nicht-EU-Sprachstudenten erlaubt, während des Semesters bis zu 20 Stunden und außerhalb bis zu 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Interne Regierungsunterlagen, die letzte Woche durchgesickert sind, behaupten, eine „erhebliche Anzahl“ von Studenten überschreite diese Grenzen, und Arbeitgeber nutzten diese Regelung, um billige Arbeitskräfte zu gewinnen, was lokale Löhne drücke und den Wohnungsmarkt zusätzlich belaste. Die Colleges entgegnen, dass sie bereits verpflichtende Anwesenheitslisten, Meldepflichten gegenüber der Einwanderungsbehörde und stichprobenartige Kontrollen durchführen; falls es ernsthafte Verstöße gebe, solle der Staat die Inspektionsstatistiken veröffentlichen. Mit rund 60.000 ausgestellten Studentenvisa für Nicht-EU-Bürger im Jahr 2024 – davon 25.000 für Sprachkurse – sind die Einsätze hoch. Die Branche sichert 8.000 direkte Arbeitsplätze und sorgt für Nachfrage bei Fluggesellschaften, Mietwohnungen und im Gastgewerbe, besonders außerhalb Dublins. Anbieter warnen, dass Irlands Ruf als Zentrum für Englischkurse nach den pandemiebedingten Schließungen fragil sei und negative Schlagzeilen Studenten nach Malta, Kanada oder Großbritannien abwandern lassen könnten. Einwanderungsanwälte weisen darauf hin, dass der politische Druck steigt, die Gesamtzahl der Zuwanderer vor der Parlamentswahl 2027 zu begrenzen. Mehrere Koalitionsabgeordnete haben vorgeschlagen, die erlaubten Arbeitsstunden für Sprachstudenten zu reduzieren oder eine zweijährige Sperrfrist einzuführen, bevor Absolventen auf Arbeitserlaubnisse wechseln dürfen – Vorschläge, die die Branche als „Wettbewerbsfähigkeit zerstörend“ kritisiert. Für multinationale Unternehmen, die auf das Talent der Sprachschüler für Teilzeit-Kundenservice setzen, könnten solche Einschränkungen den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt weiter verschärfen. Personalabteilungen werden geraten, Arbeitspläne genau zu prüfen und sich auf mögliche Änderungen im Sommerparlament vorzubereiten.
Quelle: The Irish Times
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