
Frankreichs zwei verkehrsreichste Flughäfen – Paris-Charles-de-Gaulle (CDG) und Paris-Orly (ORY) – haben die Europäische Kommission offiziell gebeten, die endgültige Einführung des Schengen-Ein- und Ausreisesystems (EES) während der Spitzenmonate Juni bis August auszusetzen. Bei einer Pressekonferenz am 24. Februar erklärte ADP-Vizechefin Justine Coutard, dass die Flughäfen bisher nur „begrenzte Pilotversuche“ durchgeführt hätten, die Warteschlangen aber bereits deutlich länger seien als vor Einführung des EES. Laut EU-Recht muss das EES bis zum 10. April 2026 vollständig einsatzbereit sein und bei jedem erstmaligen Grenzübertritt von Nicht-EU-Reisenden Fingerabdrücke und Gesichtsbilder erfassen sowie bei Folgereisen überprüfen. Branchenverbände warnen jedoch, dass Kioske und Personal noch nicht ausreichend vorbereitet sind: ACI Europe berichtet von einer um 70 % längeren Abfertigungszeit bei ersten Einsätzen, und britische Fähr- und Bahnunternehmen melden an stark frequentierten Wochenenden Wartezeiten von bis zu vier Stunden. Coutard betonte, eine Aussetzung würde „extrem riskante“ Folgen für Sicherheit und Kundenerlebnis vermeiden, zumal Paris 2026 mit mehreren internationalen Großveranstaltungen einen Rekordverkehr erwartet. Airlines for Europe und IATA unterstützen die Forderung und verweisen auf ungelöste Softwareprobleme sowie den „chronischen“ Mangel an Grenzschutzpersonal in der gesamten EU. Sollte Brüssel der Aussetzung zustimmen, könnte Frankreich bis September rechtlich wieder auf manuelle Passstempel zurückgreifen, um Zeit für die Installation zusätzlicher Selbstbedienungsschleusen, die Schulung der Beamten und die Optimierung der mobilen Voranmelde-App zu gewinnen. Firmenmobilitätsmanager sollten daher Reisende darauf vorbereiten, dass die Kontrollen im Sommer zwischen digitalen und manuellen Verfahren wechseln können, und längere Umsteigezeiten bei Verbindungen über Frankreich einplanen. Langfristig bekräftigt ADP sein Engagement für das EES und plant, die Parafe-E-Gates auszubauen, um sie mit der neuen Datenbank zu verknüpfen, sobald die Zuverlässigkeit verbessert ist. Beobachter sehen die Auseinandersetzung als wichtigen Belastungstest für die EU, ob sie den Mitgliedstaaten operative Flexibilität gewährt und gleichzeitig die Sicherheitsziele erfüllt.
Quelle: Euronews