
In einem ausführlichen Datenbericht vom 26. Februar 2026 berichtet David Casey, Chefredakteur von Aviation Week’s Routes, dass die geplante Kapazität Brasiliens weiterhin die seiner lateinamerikanischen Nachbarn übertrifft. OAG-Daten zeigen für das erste Quartal 37,2 Millionen Abflugsitze, ein Plus von 6,6 Prozent im Jahresvergleich, wobei die internationalen Sitzplätze um 10,4 Prozent auf etwas über fünf Millionen steigen. LATAM und GOL bleiben dominant und stellen zusammen fast 25 Millionen Inlandsitze bereit, doch das internationale Wachstum ist breit gefächert: Die neue Verbindung von Air Canada zwischen Montreal und Rio, erhöhte Frequenzen auf der Emirates-Strecke Dubai–São Paulo sowie der ausgebaute Buenos-Aires-Shuttle von Aerolíneas Argentinas machen den Großteil der zusätzlichen Sitzplätze aus. São Paulo-Guarulhos führt mit 7,1 Millionen Sitzen die Flughafenrangliste an, doch Rio de Janeiro-Galeão verzeichnet mit einem Plus von 19 Prozent den stärksten Zuwachs, während es sich auf die Austragung der Routes Americas im März vorbereitet. Casey führt die Dynamik auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurück: eine stabile Makroökonomie, eine Erholung der Geschäftsreisen in den Bergbau- und Agrarregionen sowie die liberalisierten Luftverkehrsabkommen, die Brasilien Ende 2025 mit Frankreich und Kanada abgeschlossen hat. Zudem weist er darauf hin, dass die von der ANAC während der Pandemie gewährte Slot-Nutzungsbefreiung am 1. Januar 2026 ausgelaufen ist, was die Airlines zwingt, Slots entweder zu nutzen oder zurückzugeben – ein weiterer Faktor für eine disziplinierte Kapazitätsplanung. Diese Zahlen sind für Mobilitätsbudgets entscheidend. Mehr Sitzplätze führen zu geringeren Business-Class-Erträgen auf Hauptstrecken wie São Paulo–New York und Belo Horizonte–Lissabon, was den Beschaffungsteams in den Verhandlungen zur Jahresmitte mehr Verhandlungsspielraum verschafft. Dennoch bestehen weiterhin infrastrukturelle Engpässe: Congonhas operiert an seiner Umweltgrenze, und die Aufrüstung von Brasília auf zwei Rollbahnen ist erst zur Hälfte abgeschlossen, was die Pünktlichkeit während des starken Verkehrs im Juli beeinträchtigen könnte. Caseys Fazit ist optimistisch, aber zurückhaltend: Brasilien hat nahezu die gesamte pandemiebedingte Kapazitätslücke geschlossen und benötigt nun regulatorische Maßnahmen zur Skalierbarkeit der Flughäfen sowie Anreize für nachhaltige Flugkraftstoffe, um das zweistellige internationale Wachstum bis 2027 aufrechtzuerhalten.
Quelle: Aviation Week Network