
Italiens Ministerrat handelte am 24. April blitzschnell, um einen drohenden verfassungsrechtlichen Streit um den sogenannten „Rückführungsbonus“ zu entschärfen, der erst vor wenigen Wochen im Rahmen eines umfassenderen Sicherheitsdekrets eingeführt wurde. Der ursprüngliche Artikel – von Abgeordneten der Lega verfasst und am selben Morgen vom Parlament verabschiedet – sah vor, Anwälten 615 Euro zu zahlen, wenn sie erfolgreich einen Migranten zur freiwilligen Rückkehr bewegen konnten. Präsident Sergio Mattarella deutete an, das Gesetz möglicherweise nicht zu unterzeichnen, da die erfolgsabhängige Vergütung das Recht auf eine unparteiische Verteidigung gefährden könnte. Premierministerin Giorgia Meloni reagierte darauf mit einem zweiten, eiligen Dekret, das nur wenige Stunden nach dem ersten verabschiedet wurde. Die Änderung erweitert die Anspruchsberechtigung von Anwälten auf weitere anerkannte Berater, streicht die „Nur bei Erfolg“-Klausel, sodass die Vergütung nicht mehr an die tatsächliche Rückkehr des Migranten gebunden ist, und stellt bis 2028 1,4 Millionen Euro bereit – etwas mehr als ursprünglich vorgesehen. Regierungsquellen betonen, dass das Programm die Rückführungen beschleunigen und den Druck auf Aufnahmeeinrichtungen mindern soll, ohne die Berufsethik zu verletzen. Italien hat 2025 lediglich 3.604 Personen abgeschoben – weniger als 10 % der endgültigen Ablehnungsbescheide – weshalb die Politik dringend neue Anreize sucht. Kritiker bleiben skeptisch: Der Nationale Anwaltsrat warnt, dass Geldprämien Verteidiger zu Handlangern des Staates machen könnten. Menschenrechtsorganisationen betonen, dass die Rückkehr strikt freiwillig bleiben und von Wiedereingliederungsschutzmaßnahmen begleitet sein muss, da Italien sonst vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt werden könnte. Für Arbeitgeber und Umzugsmanager bedeutet das vor allem, dass Rückführungsberatung – bisher eine unbezahlte Leistung – nun möglicherweise staatlich vergütet wird. Anbieter juristischer Dienstleistungen sollten die Anspruchsregeln prüfen, sobald das Innenministerium die erwarteten Durchführungsrichtlinien innerhalb von 30 Tagen veröffentlicht.
Quelle: Arab News / Reuters
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