
Wes Streeting, ein Schwergewicht im Schattenkabinett, stellt globale Mobilität in den Mittelpunkt seiner Kandidatur als Nachfolger von Sir Keir Starmer. In einem vorab angekündigten Interview zu seiner Rede zum Wahlkampfauftakt kündigte Streeting an, Großbritannien in den nächsten drei Jahren „20.000 erstklassigen Wissenschaftlern, KI-Ingenieuren und Forschern“ durch ein maßgeschneidertes Global Talent-Programm, das direkt von der Downing Street verwaltet wird, die Türen zu öffnen. Der Vorschlag sieht vor, die 2024 eingeführten Obergrenzen und Gehaltsschwellen zu lockern, einen Fast-Track-Weg nach dem Vorbild der früheren Tier-1-(Exceptional Talent)-Route zu schaffen und Visa-, Angehörigen- sowie NHS-Gebühren in einem subventionierten Paket für qualifizierte Arbeitgeber zusammenzufassen. Streeting argumentiert, dass die USA unter Präsident Trump „Talente abweisen“ und Großbritannien die Chance nutzen sollte, indem Bürokratie und Bearbeitungszeiten auf „48 Stunden für Prioritätsfälle“ reduziert werden. Wirtschaftsverbände begrüßen das Vorhaben, warnen jedoch, dass das neue Programm mit der bestehenden Skilled Worker-Route und dem kommenden Electronic Travel Authorisation (ETA)-System harmonieren müsse. Technology UK begrüßt das ambitionierte Ziel, fordert aber Klarheit, ob auch Scale-ups und nicht nur FTSE-100-Multis Kandidaten sponsern können. Einwanderungsanwälte weisen darauf hin, dass das Innenministerium zusätzliche Sachbearbeiter oder ein automatisiertes Entscheidungssystem benötigen würde, um die 48-Stunden-Frist einzuhalten. Sollte das Programm umgesetzt werden, könnte es die Migrationsstruktur Großbritanniens nach zwei Jahren rückläufiger Zahlen internationaler Studierender und restriktiver Pflegekräfte-Quoten wieder stärker in Richtung langfristig beschäftigter, arbeitgebergesponserter Fachkräfte verschieben. Arbeitgeber aus den Bereichen Life Sciences, Quantencomputing und grüne Energie stünden laut Beratern an erster Stelle. Bislang bleibt der Plan Wahlkampfrhetorik, doch mit einem erwarteten Führungswettbewerb noch vor Jahresende hat er die Visapolitik an die Spitze der Westminster-Agenda katapultiert.
Quelle: The Guardian
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