
Das US-Justizministerium hat am 13. Juni vor dem Bezirksgericht im östlichen Virginia Klage eingereicht, um zwei Landesgesetze zu blockieren, die die Arbeitsweise der Bundesimmigrationsbehörden im Bundesstaat einschränken. Ein Gesetz, das am 1. Juli in Kraft treten soll, verbietet Bundesbeamten das Tragen von Gesichtsbedeckungen während des Dienstes und verlangt eine sichtbare Namens- oder Dienstausweiskennzeichnung. Ein begleitendes Gesetz untersagt es staatlichen und lokalen Polizeibehörden, 287(g)-Vereinbarungen mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) einzugehen oder zu verlängern, sofern nicht strenge öffentliche Anhörungen stattfinden. Die Bundesanwälte argumentieren, dass diese Bestimmungen gegen die Supremacy Clause verstoßen, da sie die Art und Weise regulieren, wie Bundesbeamte ihre Einwanderungsaufgaben erfüllen. Die 34-seitige Klageschrift warnt, dass das Maskenverbot ICE-Agenten der Gefahr von Doxing und Vergeltungsmaßnahmen aussetzt und das Heimatschutzministerium (DHS) zu riskanteren Festnahmen auf der Straße zwingt, falls lokale Gefängnisse keine Haftbefehle mehr akzeptieren. Virginias demokratische Gouverneurin Abigail Spanberger verteidigt die Gesetze als Maßnahmen zur Transparenz, die das Vertrauen in Einwanderergemeinschaften stärken sollen. Befürworter der Einwandererrechte sehen in den Gesetzen eine Umsetzung bereits anderswo etablierter „Sanctuary“-Standards, während republikanische Kritiker sie als „Geschenk für offene Grenzen“ bezeichnen. Für Arbeitgeber könnte der Rechtsstreit Auswirkungen auf die Durchsetzung am Arbeitsplatz haben. Sollte ICE die lokale Zusammenarbeit verlieren, könnten die Agenten verstärkt auf I-9-Prüfungen als Alternative zu Festnahmen vor Ort setzen. Ein Sieg der Bundesregierung würde hingegen Washingtons Befugnis zur Überwindung staatlicher Beschränkungen bestätigen und möglicherweise Programme zur gemeinsamen Bevollmächtigung in anderen Regionen stärken. Der Fall wird von multinationalen Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Bundesstaaten genau beobachtet: Ein Urteil, das die Grenze zwischen staatlicher Souveränität und bundesstaatlicher Einwanderungsmacht klärt, könnte wegweisend dafür sein, wie künftige landesweite Datenschutz- oder Arbeitsrechtsgesetze die bundesstaatliche Durchsetzung einschränken können – oder eben nicht.
Quelle: The Washington Post
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