
Météo-France bestätigte, dass der Dienstag, 23. Juni 2026, der heißeste Tag in der französischen Wettergeschichte war, mit einer landesweiten Durchschnittstemperatur von 29,8 °C und Spitzenwerten von über 44 °C im Südwesten. In 31 Départements wurde die höchste Hitzewarnstufe Rot ausgerufen, was zur Schließung von Schulen führte und das Ministerium für Europa und Auswärtige Angelegenheiten veranlasste, mehrsprachige Reise- und Gesundheitshinweise herauszugeben. Die Bahninfrastruktur geriet sofort unter Druck. Die SNCF verhängte Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der TGV Atlantique-Strecke, wodurch sich die Fahrzeit zwischen Bordeaux und Paris um bis zu 50 Minuten verlängerte, während regionale TER-Verbindungen in Nouvelle-Aquitaine um 40 % reduziert wurden. Die Pariser Flughäfen aktivierten ihre Extremwetterpläne: Am Charles-de-Gaulle-Flughafen wurde das Betanken von Flugzeugen zeitweise ausgesetzt, wenn die Temperatur auf dem Rollfeld die sicheren Grenzen für das Bodenpersonal überschritt. Auch die Einwanderungsabwicklung war betroffen. Am Flughafen Orly wurden die automatischen Passkontrollschleusen für einen Teil des Nachmittags abgeschaltet, nachdem interne Sensoren überhitzt waren, wodurch alle Ankünfte auf manuelle Kontrollstellen umgeleitet wurden und Nicht-EU-Passagiere Wartezeiten von bis zu 45 Minuten in Kauf nehmen mussten. Die Präfekturen in Marseille und Toulouse kündigten an, persönliche Visumtermine zwischen 14:00 und 17:00 Uhr auszusetzen, bis die Warnstufe sinkt. Stadtverwaltungen verwandelten Messezentren und Kinos in „Kühlräume“, die für Touristen und migrantische Arbeitskräfte ohne klimatisierte Unterkünfte geöffnet sind. Expat-Beratungsfirmen forderten Arbeitgeber auf, mehrsprachige Informationsblätter zur Hitzesicherheit zu verteilen und die Versicherungsschutzregelungen für hitzebedingte Erkrankungen bei entsandten Mitarbeitern zu überprüfen. Klimaforscher am CNRS warnten, dass Ereignisse dieser Größenordnung – bisher nur einmal pro Jahrhundert erwartet – bis 2040 alle fünf Jahre auftreten könnten, was langfristige Fragen zur Resilienz des französischen Verkehrs aufwirft. Die Regierung beschleunigt ein 1,2-Milliarden-Euro-Programm zur Verstärkung der Oberleitungsanlagen und zur Installation zusätzlicher Schattenstrukturen an den Passkontrollschlangen in exponierten Regionalflughäfen.
Quelle: Météo-France