
Das seit langem geplante Ein- und Ausreisesystem (EES) Europas erreichte am 23. Juni einen weiteren Meilenstein, als Rom-Fiumicino als jüngster Flughafen die manuelle Passstempelung abschaltete und von allen Nicht-EU-Reisenden Fingerabdrücke sowie Gesichtsscans verlangte. Paris CDG, Frankfurt, Amsterdam Schiphol und Barcelona hatten den Übergang bereits Anfang dieses Quartals abgeschlossen, sodass die meisten wichtigen Flughäfen auf der Delhi-Europa-Route nun vollständig biometrisch arbeiten. Für indische Staatsbürger – Europas zweitgrößten Fernreisemarkt – bedeutet dies eine neue Verfahrensstufe. Erstbesucher müssen an einem automatisierten Kiosk vier Fingerabdrücke und ein Live-Gesichtsfoto erfassen, bevor sie einen Grenzbeamten treffen. Die Daten werden drei Jahre lang gespeichert und ersetzen den alten Passstempel, der schwer nachzuverfolgen war, wenn Reisende überzogen blieben. Fluggesellschaften berichteten am ersten Tag von Wartezeiten von 60 bis 90 Minuten während der Stoßzeiten in Fiumicino, ähnlich wie zuvor in Paris und Frankfurt im Frühjahr. Die Flughäfen eilen, weitere Kioske und Voranmeldestationen zu installieren, doch die Gewerkschaften warnen, dass die Sommerferienbelastung die Kapazitäten überfordern könnte. Reise-Risikomanager raten indischen Geschäftsreisenden bereits, für Anschlussflüge innerhalb des Schengen-Raums mindestens zwei Stunden mehr einzuplanen. EU-Beamte betonen, dass das System die Sicherheit erhöhen, Überziehungszeiten automatisiert berechnen und Wiederholungsbesuche durch die Wiederverwendung der Daten letztlich beschleunigen wird. Reiseveranstalter befürchten jedoch, dass Erstbesucher in Freizeitgruppen Bahnverbindungen oder Anschlussflüge mit Billigairlines verpassen könnten, was die Paketpreise in die Höhe treibt. Die indische Vertretung in Rom hat eine spezielle EES-Hotline eingerichtet und Reisende aufgefordert, klare Ausdrucke ihrer Weiterreisepläne mitzuführen, um die Beamten von der Absicht eines Ausstiegs innerhalb von 90 Tagen zu überzeugen. Blickt man voraus, bleibt das Europäische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) – ein kostenpflichtiger elektronischer Pass für visumfreie Nationalitäten – für Ende 2026 geplant. Indische Reisende benötigen weiterhin ein Schengen-Visum, doch die Kombination aus höheren Bearbeitungsgebühren, ETIAS für Zwischenstopps und nun EES-biometrischen Kontrollen macht die regulatorische Belastung Europas so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Quelle: Travel and Tour World
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