
Eine Branchenkampagne, die eine vorübergehende Aussetzung des neuen biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES) der EU fordert, hat am 22. Juli an Fahrt gewonnen, als Finavia, Betreiber des Flughafens Helsinki, seinen Namen zu einem gemeinsamen Schreiben von Airlines for Europe (A4E) und Airports Council International Europe hinzufügte. Die Koalition warnt, dass die Anlaufschwierigkeiten des EES bereits an mehreren großen Drehkreuzen zu Grenzwartezeiten von bis zu fünf Stunden führen und im August Teile des europäischen Luftverkehrsnetzes „vollständig zum Stillstand“ bringen könnten. Der jüngste Appell – zuerst von The Brussels Times berichtet – fordert die Europäische Kommission auf, den Mitgliedstaaten zu erlauben, die verpflichtende biometrische Registrierung zwischen jetzt und dem 1. September vorübergehend „abzuschalten“. Finavia erklärte gegenüber finnischen Medien, dass die durchschnittlichen EES-Verarbeitungszeiten am Flughafen Helsinki derzeit unter zwei Minuten liegen, Simulationen jedoch zeigen, dass ein einziger Systemausfall oder eine Störung an einem Selbstbedienungskiosk während der morgendlichen Spitzenankünfte in weniger als einer Stunde einen Rückstau von 8.000 Passagieren verursachen könnte, was den Nicht-Schengen-Bereich des Flughafens überlasten würde. Die finnische Grenzpolizei bestätigte, dass sie Notfallpläne zur Öffnung zusätzlicher manueller Kontrollspuren hat, unterstützt jedoch die Forderung der Branche nach mehr Flexibilität. Dabei weist sie darauf hin, dass der Flughafen Helsinki im Vergleich zur Terminalgröße einen überproportional hohen Anteil an interkontinentalen Umsteigeverkehren abwickelt. Die Grenzpolizei erklärte, dass die Kommission, falls sie eine generelle Aussetzung ablehnt, zumindest erlauben sollte, vorübergehend auf die Erfassung von Fingerabdrücken zu verzichten und sich nur auf die Gesichtserkennung zu stützen, was die Einschreibezeiten halbieren würde. Für Manager im Bereich globale Mobilität ist der Streit mehr als ein technisches Problem: Lange Wartezeiten bei der Einreise erhöhen das Risiko verpasster Anschlussflüge und könnten Unternehmen dazu zwingen, großzügigere Umsteigezeiten für Mitarbeiter mit Routen über Helsinki einzuplanen. Arbeitgeber sollten die Beratungen der Kommission genau verfolgen und Reisende dazu anhalten, bis zur Klärung der Lage mehr Zeitpuffer in ihre Reisepläne einzubauen. Die Kommission hat „erhebliche Anlaufprobleme“ mit dem EES eingeräumt, aber noch nicht signalisiert, ob sie der beantragten Ausnahmeregelung zustimmen wird. Ein Folgetreffen mit Branchenvertretern ist für den 26. Juli angesetzt.
Quelle: The Brussels Times
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