
Frische Arbeitsmarktdaten, die am 22. Juli 2026 vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht wurden, zeichnen ein unterschiedliches Bild für die Grenzgänger in der Schweiz. Im ersten Quartal stieg die Gesamtzahl der aktiven Grenzgänger mit G-Bewilligung im Jahresvergleich um 1,9 % auf 413.000 – doch der Kanton Tessin bildet eine Ausnahme und verzeichnete im Quartalsvergleich einen leichten Rückgang von 0,2 % auf 78.562 Grenzgänger. Dieser kleine Rückgang mag marginal erscheinen, ist jedoch der erste negative Wert für Tessin seit 2022 und fällt in eine breitere Debatte über Lohndruck und Pendlerstaus im italienischsprachigen Kanton. Ökonomen führen den Rückgang auf eine Kombination von Faktoren zurück: die fortgesetzte Verlagerung von Backoffice-Funktionen nach Zürich und Basel, den nachpandemischen Anstieg der Telearbeit (diese Woche formalisiert durch das italo-schweizerische Telearbeitsprotokoll) sowie eine leichte Abkühlung im Bausektor südlich der Alpen. Auf nationaler Ebene bleibt die Lage robust. Das stärkste Wachstum bei den G-Bewilligungen verzeichnet der Grenzraum Genf, wo französische Einwohner inzwischen 58,3 % aller Grenzgänger ausmachen. Die Pharma- und Uhrenindustrie, die weiterhin mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat, stellt weiterhin gezielt Grenzgänger ein. Für Personal- und Mobilitätsverantwortliche unterstreichen die unterschiedlichen Entwicklungen die Bedeutung standortspezifischer Personalplanung. Unternehmen mit Werken oder Servicezentren im Tessin sollten ihre Personalressourcen und Nachfolgeplanung genau überprüfen, während Firmen in anderen Teilen der Schweiz sicherstellen müssen, dass sie Quoten und Arbeitszeitdokumentationen einhalten, da die Arbeitsinspektoren für das dritte Quartal unangekündigte Kontrollen in Genf und Basel angekündigt haben. Die BFS-Daten dienen zudem als Frühindikator für die kantonalen Mindestlohn-Debatten, die im Tessin im kommenden Frühjahr zur Abstimmung stehen. Ein anhaltender Rückgang der Grenzgängerzahl könnte den politischen Druck mindern, doch ein Rückgang um ein Quartal ist zu gering, um endgültige Schlüsse zu ziehen.
Quelle: FrontalieriTicino