
Italien hat systematische Personenkontrollen bei Passagieren aus Spanien an den Flughäfen Rom-Fiumicino, Mailand-Malpensa und an wichtigen Seehäfen eingeführt, nachdem es eine einmonatige Aussetzung der regulären Schengen-Verfahren für den Verkehr aus Spanien angekündigt hatte. Obwohl die beiden Länder keine gemeinsame Landgrenze haben, reisen täglich rund 7.000 Menschen und 1.400 Tonnen Fracht über direkte Luft- und Seeverbindungen. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die Maßnahme als vorübergehende Reaktion auf das „Sicherheitsvakuum“, das durch Spaniens Umgang mit dem Zustrom in Ceuta entstanden sei. Nach EU-Recht dürfen Staaten interne Grenzkontrollen für bis zu 30 Tage wiedereinführen, müssen Brüssel jedoch informieren. Die Europäische Kommission erklärte, sie habe „Notiz genommen“ und werde die Verhältnismäßigkeit nächste Woche prüfen. Das spanische Außenministerium wies die Maßnahme als „politischen Opportunismus“ zurück und warnte vor Vergeltungskontrollen bei Flügen aus Italien, falls sich Passagierstaus unkontrolliert ausweiten. Fluggesellschaften wie Iberia, Vueling und Ryanair warnten Reisende, mindestens zwei Stunden früher für Abflüge von Spanien nach Italien am Flughafen zu sein. Geschäftsreisende sollten mögliche verpasste Anschlussflüge einkalkulieren, insbesondere bei durchgehenden Tickets über Italien hinaus. Nicht-EU-Mitarbeiter mit spanischer Aufenthaltserlaubnis könnten verstärkt kontrolliert werden; Arbeitgeber werden geraten, ihren Angestellten Nachweise über den Aufenthaltsstatus (TIE-Karte oder EU-Digitalnomadenvisum) sowie eine Firmenreisebestätigung mitzugeben. Auch Frachtunternehmen sind betroffen: Ro-Ro-Fähren zwischen Barcelona und Civitavecchia melden zusätzliche Passkontrollen für Lkw-Fahrer, was Entladezeiten verzögert und einen Automobilzulieferer zum Wechsel auf die Landroute Frankreich-Italien veranlasst hat. Logistikanalysten schätzen, dass verlängerte Kontrollen die Lieferkettenkosten um 40 bis 60 Euro pro Palette erhöhen könnten, falls die Aussetzung über August hinausgeht. Der Vorfall zeigt, wie schnell Spannungen innerhalb des Schengen-Raums den Privatsektor treffen können. Unternehmen mit europaweiten Mobilitätsprogrammen sollten Notfallbudgets bereithalten und EU-Meldungen zu internen Grenzkontrollen über das Dashboard des Europäischen Migrationsnetzwerks im Blick behalten.
Quelle: Cadena SER / EFE