
Reisende am Flughafen Barcelona-El Prat Josep Tarradellas erlebten am 4. August eine unerwartete Boden-Turbulenz statt in der Luft. Kurz nach Mitternacht legten die 1.179 Mitarbeiter von Groundforce – Spaniens zweitgrößtem Flughafen-Dienstleister – ihre Arbeit nieder und starteten einen unbefristeten Streik wegen einer „ernsthaften Verschlechterung“ der Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen. Bis zum frühen Nachmittag führte der Ausstand zur Streichung von mindestens sechzehn Flügen (acht Hin- und Rückflüge) und zwei weiteren Flügen, die ohne aufgegebenes Gepäck starteten. Groundforce erbringt Check-in-, Vorfeld- und Lade-Kontrolldienste für über zwanzig internationale Airlines, darunter Air France/KLM, Lufthansa, Qatar Airways, Etihad und United Airlines. Mit 28,3 Millionen Passagieren im ersten Halbjahr 2026 – ein Plus von 4,4 % gegenüber 2025 – wirkt sich jede Kapazitätsreduzierung schnell auf europäische Flugpläne aus. Die Gewerkschaft CGT, die im Betriebsrat die Mehrheit stellt, warnte, dass bei einer Fortsetzung des Streiks bis September rund 11.600 Flugbewegungen und fast 2,4 Millionen Sitzplätze betroffen sein könnten. Das Verkehrsministerium hat Mindestdienstleistungen angeordnet, die je nach Strecke von 35 % bei kurzen Inlandsflügen mit Bahn-Alternativen bis zu 80 % bei wichtigen Verbindungen zu Spaniens Inseln und Nicht-Schengen-Zielen reichen. Geschäftsreisende spüren die Auswirkungen bereits: Passagiere des frühen Lufthansa-Flugs nach München wurden über Madrid umgeleitet, während ein Qatar Airways Großraumflug nach Doha mit mehreren Stunden Verspätung ohne Fracht startete. Arbeitskämpfe im spanischen Luftfahrtsektor sind keine Seltenheit – Groundforce hatte bereits im März einen ähnlichen Streik – doch die zeitliche Lage mitten in der Hauptreisezeit erhöht die wirtschaftlichen Risiken. Multinationale Unternehmen mit iberischen und mediterranen Geschäftsreisen sollten ihre Risikoanalysen überdenken und zusätzliche Pufferzeiten einplanen. Experten erinnern zudem daran, dass die EU261-Entschädigungsregelungen auch bei Störungen durch Flughafen-Dienstleister gelten, sofern der Abflug von einem EU-Flughafen erfolgt. Die Verhandlungen zwischen Groundforce und der CGT sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Bis dahin bittet der Flughafenbetreiber Aena die Passagiere, vor Anreise den Flugstatus zu prüfen und möglichst nur Handgepäck mitzunehmen.
Quelle: El País
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