
Kanadas Einwanderungsbehörde hat begonnen, etwa 30.000 Asylbewerbern Schreiben zu schicken, in denen sie darauf hingewiesen werden, dass ihre Fälle möglicherweise nicht für eine vollständige Anhörung vor der Flüchtlingsschutzabteilung zugelassen werden. Die Briefe, über die CBC am 10. April 2026 erstmals berichtete, basieren auf dem Gesetzesentwurf C-12 – umfassende Grenzsicherheitsgesetze, die die Asylberechtigung verschärften und am 26. März in Kraft traten. Nach den neuen Regeln können Anträge bereits bei der Aufnahme abgelehnt werden, wenn Antragsteller über ein „sicheres“ Drittland eingereist sind, zuvor in einer anderen Gerichtsbarkeit einen Antrag gestellt haben oder mehr als 14 Tage vor der Antragstellung unregelmäßig nach Kanada eingereist sind. Die Betroffenen werden darauf hingewiesen, dass ihnen statt einer persönlichen Anhörung eine beschleunigte Risikoabwägung vor der Abschiebung droht und sie „Abreisepläne für Kanada“ machen sollten, falls keine neuen Beweise vorgelegt werden. Einwanderungsanwälte kritisieren die pauschalen Benachrichtigungen scharf, da komplexe Glaubwürdigkeitsfragen nicht fair auf dem Papier beurteilt werden können. Zudem verlieren die Betroffenen automatisch die Berechtigung für offene Arbeitserlaubnisse, was viele in eine finanzielle Notlage bringt, während ihre Risikoabwägungen laufen. Ottawa argumentiert, die Maßnahme sei notwendig, um den Rekordrückstau von 196.000 Fällen abzubauen und Kanadas Verpflichtungen aus dem Abkommen über sichere Drittstaaten zu erfüllen. Für Arbeitgeber wirft die Regelung Compliance-Fragen auf: Die Beschäftigung oder Weiterbeschäftigung von Ausländern, die als nicht berechtigt eingestuft wurden, könnte gegen IRCC-Vorschriften verstoßen und Bußgelder von bis zu 50.000 CAD pro Arbeitnehmer nach sich ziehen. Unternehmen sollten daher aktualisierte Einwanderungsdokumente von Beschäftigten mit laufenden Asylverfahren anfordern und gegebenenfalls rechtliche Unterstützung vermitteln.
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