
Kanadas neues Gesetz zur Stärkung des Einwanderungssystems und der Grenzen (Gesetzentwurf C-12) zeigt bereits tiefgreifende menschliche und operative Auswirkungen. Eine Untersuchung der Canadian Press, veröffentlicht von CityNews Calgary am 12. April, porträtiert Mohammed Al Hindi – einen palästinensischen Mann, der 2023 seiner kanadischen Schwester eine Niere spendete, nun aber wegen der rückwirkenden Einreichungsfrist von einem Jahr nach C-12 möglicherweise kein Recht auf eine Flüchtlingsanhörung mehr hat. Nach den seit dem 26. März geltenden Bestimmungen können Asylsuchende, die ihren Antrag mehr als 12 Monate nach ihrer ersten Einreise nach Kanada stellen, von der Überweisung an die Flüchtlingsschutzabteilung ausgeschlossen werden. Immigration, Refugees and Citizenship Canada (IRCC) hat begonnen, schätzungsweise 30.000 Personen „Verfahrensfairness-Briefe“ zu schicken, in denen sie aufgefordert werden, zu begründen, warum ihr Antrag weiterverfolgt werden sollte. Wird ein Beamter nicht überzeugt, droht den Antragstellern eine rein schriftliche Vor-Entfernungsrisikobewertung, die deutlich seltener genehmigt wird und nur eingeschränkte rechtliche Möglichkeiten bietet. Von CityNews befragte Einwanderungsanwälte warnen, dass die Änderung das ordentliche Verfahren faktisch aushebelt und besonders Familienangehörige betrifft, die Kanada legal – oft aus humanitären Gründen – besuchten, bevor sie später Schutz suchten, als sich die Lage in ihrer Heimat verschlechterte. Kritiker werfen Ottawa vor, den Rückstau von inzwischen über 300.000 Anträgen als Vorwand zu nutzen, um Asylsuchende abzuschrecken und die Gesamtzuwanderung an die reduzierten Regierungsziele anzupassen. Für Arbeitgeber und Universitäten, die Flüchtlinge über Beschäftigungs- oder Sponsoringprogramme unterstützen, schafft das neue Gesetz Unsicherheit. Arbeitsgenehmigungen, die an einen Flüchtlingsantrag gekoppelt sind, können bei Ablehnung der Anspruchsberechtigung gestrichen werden, was Personalplanung und Studienprogramme gefährdet. Mobility-Experten sollten alle Mitarbeitenden mit Flüchtlingsstatus überprüfen und Notfallpläne entwickeln, etwa alternative Genehmigungskategorien oder Anträge aus humanitären und mitfühlenden Gründen (H&C). Das IRCC betont, dass die Briefe keine Abschiebungsbescheide sind und dass Personen, die als nicht berechtigt eingestuft werden, weiterhin Schutz über Risikobewertungen suchen können. Dennoch zeigt die sich entwickelnde Lage den dringenden Bedarf an einer schnellen rechtlichen Überprüfung des Ausländerstatus nach Gesetzentwurf C-12 sowie an aktualisierten Unternehmensrichtlinien für die Einstellung oder Versetzung von Personen mit laufenden Asylanträgen.
Quelle: CityNews / The Canadian Press