
Kaum 24 Stunden nachdem die Europäische Union ihr lang erwartetes biometrisches Ein- und Ausreisesystem (EES) aktiviert hatte, gerieten französische Grenzposten in den Fokus der europaweiten Anlaufschwierigkeiten. Ein am 11. April um 08:00 Uhr veröffentlichter Bericht des Fachportals Schengen90 meldete, dass Passagiere am Eurostar-Terminal London St Pancras, am Eurotunnel-Terminal in Folkestone sowie am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle Wartezeiten von bis zu vier Stunden erlebten, da die Terminals ausfielen und Beamte auf manuelle Passstempel zurückgreifen mussten. Das EES ersetzt physische Passstempel durch eine digitale Erfassung von Ein- und Ausreisen und berechnet automatisch, ob Nicht-EU-Besucher die 90-Tage-Regel innerhalb von 180 Tagen überschreiten. Obwohl die Technologie langfristig schnellere Abläufe verspricht, fehlten bei den französischen Kontrollstellen auf britischem Boden zum Start noch vollständig zertifizierte Fingerabdruckscanner, was die Polizei zu provisorischen Lösungen zwang. Der Flughafenverband ACI Europe und mehrere Fluggesellschaften fordern die Europäische Kommission auf, Frankreich zu erlauben, die biometrische Erfassung auszusetzen, wenn die Wartezeiten 45 Minuten überschreiten, da sonst Anschlussflüge und Kettenreaktionen in Hub-and-Spoke-Netzwerken gefährdet seien. Nach EU-Vorgaben können Mitgliedstaaten nach Einführung eine 90-tägige Schonfrist in Anspruch nehmen, die einmal um 60 Tage verlängert werden kann, doch Branchenvertreter warnen, dass dies für die geschäftige Sommersaison nicht ausreichen könnte. Für Mobility-Manager ergeben sich sofortige Konsequenzen: Die automatisierte Überwachung von Aufenthaltsüberschreitungen verlangt von Mitarbeitern auf Kurzzeitentsendungen eine lückenlose Dokumentation der Schengen-Aufenthaltsdauer, und Geschäftsreisen, die mehrfach zwischen Frankreich und anderen Ländern pendeln, werden nun minutengenau erfasst. Unternehmen überprüfen bereits Einsatzpläne, um unbeabsichtigte Verstöße zu vermeiden, und raten Reisenden, Nachweise über Ausreisebuchungen mitzuführen, falls Beamte Systemfehler manuell korrigieren müssen. Langfristig werden die EES-Daten in ETIAS, die elektronische Reisegenehmigung, einfließen, deren Testphase Frankreich für Ende 2026 plant. Zusammen werden diese Systeme die Einhaltung der Vorschriften von Papier auf digitale Daten umstellen, weshalb eine frühzeitige Schulung von Mitarbeitern und Entsandten entscheidend ist, um Bußgelder oder Einreiseverweigerungen zu vermeiden.
Quelle: Schengen90 News
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