
Die erste Hälfte des außerordentlichen Regularisierungsprozesses – offen bis zum 30. Juni für diejenigen, die nachweisen konnten, dass sie bereits vor dem 1. Januar 2026 in Spanien lebten – hat eine unerwartete Lücke offengelegt: Migranten ohne festen Wohnsitz. Der Bericht von EL PAÍS vom 16. Mai zeigt das bürokratische Labyrinth, dem Menschen ausgesetzt sind, die auf der Straße leben und keine feste Adresse haben. Ein Beispiel ist Mohamed, ein junger Algerier ohne Obdach in Barcelona. Er ist mit „ohne festen Wohnsitz“ im Melderegister eingetragen, doch die spanische Botschaft in Oran gewährt ihm keinen Termin, um seine polizeilichen Führungszeugnisse zu legalisieren. Der Beitritt Algeriens zum Haager Übereinkommen tritt erst im Juli in Kraft – also nach Ablauf der Regularisierungsfrist. Das Ergebnis ist eine „Kette von Legalisierungen“ mit bis zu vier Stempeln, die seinen Antrag praktisch blockiert. Seine Anwälte von der Stiftung Arrels erklären, dass die Schwierigkeiten noch größer werden, wenn Gutachten zur Verwundbarkeit, Übersetzungen ausländischer Dokumente oder die Löschung von Vorstrafen wegen geringfügiger Vergehen in Spanien erforderlich sind. Experten befürchten, dass Tausende von Antragstellern aufgrund von Anforderungen, die „für Menschen mit Wohnsitz und Ressourcen gedacht sind“, ausgeschlossen werden. Das historische Melderegister dient als Nachweis der Verwurzelung, doch viele Obdachlose haben es nie beantragt. Unter den alternativen Nachweisen – Geldüberweisungen, namentliche Rechnungen oder medizinische Unterlagen – herrscht Unsicherheit darüber, wie die Verwaltung diese bewerten wird. Hinter dem Problem steckt zudem eine arbeitsmarktbezogene Komponente: Die meisten Betroffenen arbeiten in der informellen Wirtschaft (Lieferdienste, Saisonarbeit in der Landwirtschaft oder Schrottsammlung) und benötigen die Aufenthaltserlaubnis, um legal angestellt zu werden. Der Mangel an Papieren nährt einen Teufelskreis sozialer Ausgrenzung, den die Regularisierung eigentlich durchbrechen sollte. NGOs fordern von der Migrationsbehörde mehr Flexibilität bei den Dokumenten sowie mobile Anlaufstellen in Notunterkünften, Suppenküchen und auf der Straße. Sie argumentieren, dass die Regularisierung nicht davon abhängen darf, ob jemand eine Wohnung, einen Drucker und Geld hat, um Dokumente in Konsulaten tausende Kilometer entfernt zu beglaubigen. Wenn das nicht korrigiert wird, warnen sie, wird das Dekret am Ende nur denen zugutekommen, die bereits einen Fuß im System haben, und die administrative Unsichtbarkeit der Verwundbarsten weiter zementieren.
Quelle: EL PAÍS
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