
Österreichs verkehrsreichster Alpenübergang wird an diesem Samstag stillstehen, nachdem ein Verwaltungsgericht in Tirol einem Bürgerprotest zugestimmt hat, der den gesamten Transit über den Brennerpass lahmlegen wird. Laut einem Bericht von Eurointegration vom 25. Mai dürfen die Organisatoren die Brennerautobahn A13 sowie die parallel verlaufenden Straßen B182 und L38 von 11:00 bis 19:00 Uhr für Pkw und Motorräder sperren, für schwere Lkw gilt eine frühere Sperrung ab 09:00 Uhr. Die Demonstration wird von Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner, angeführt, der erklärt, die Bewohner des Wipptals lebten „nur wenige Meter von Staus und Feinstaubbelastung entfernt“. Der Verkehrskorridor verzeichnet einen explosionsartigen Anstieg: Der Betreiber ASFINAG registrierte 2025 fast 11 Millionen Pkw und 2,5 Millionen Lkw – ein Anstieg des Güterverkehrs um 40 Prozent seit 2010. Bisher hatten die Tiroler Behörden solche Aktionen routinemäßig verboten, da sie selbst Staus befürchteten; das Gericht befand jedoch, dass diese Argumentation „die Versammlungsfreiheit ad absurdum führt“. Für multinationale Unternehmen, Logistikanbieter und Pendler über die Grenze kommt die achtstündige Sperre zur ungünstigen Zeit. Die Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg enden an diesem Wochenende, und mit einem starken Verkehrsaufkommen aus Deutschland, Österreich und Italien wird gerechnet. Die Behörden werden dynamische Verkehrshinweise von München bis Verona ausgeben, doch erhebliche Rückstaus auf Ausweichrouten wie Reschen-, Fern- und Gotthardpass sind nicht auszuschließen. Mobilitätsteams in Unternehmen werden dringend gebeten, zeitkritische Transporte möglichst auf die Schiene zu verlagern, Schweizer Transitstrecken zu nutzen oder Lieferungen auf die Wochenmitte vorzuziehen. Pkw-Fahrer mit Hotelbuchungen innerhalb der Sperrzone sowie Radfahrer sind ausgenommen; allen anderen Durchgangsverkehr wird die Weiterfahrt verwehrt. Auch Luftfracht, die über München, Innsbruck oder Verona läuft, könnte durch Verzögerungen bei den Lkw-Transporten betroffen sein. Die Blockade ist ein weiterer Brennpunkt im langjährigen Streit zwischen Wien, Rom und München um den Alpen-Transit. Italien klagte 2023 vor dem Europäischen Gerichtshof gegen frühere nächtliche Lkw-Fahrverbote in Österreich, und der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing warnte, dass einseitige Sperrungen die Integrität des Binnenmarkts gefährden. Sollte kein politischer Kompromiss gefunden werden, müssen Unternehmen mit weiteren kurzfristigen Einschränkungen während der Sommerverkehrsspitzen rechnen.
Quelle: Eurointegration