
Nur drei Monate nachdem Spanien und seine Schengen-Partner die manuelle Passkontrolle abgeschafft haben, steht das neue biometrische Ein- und Ausreisesystem (EES) vor seiner bisher größten Bewährungsprobe: der Sommer-Hauptreisezeit. Eine Reisewarnung vom 27. Juni der unabhängigen Informationsplattform Deep Arrival warnt vor Wartezeiten von bis zu sechs Stunden an wichtigen Drehkreuzen in Europa, darunter Madrid-Barajas und Barcelona El Prat, da Nicht-EU-Passagiere sich erstmals der obligatorischen Gesichtserkennungs- und Fingerabdruckregistrierung unterziehen müssen. Die spanische Flughafenbehörde Aena hat zusätzliche Nationalpolizisten eingesetzt und einige besetzte Kontrollstellen wieder geöffnet, doch Fluggesellschaften berichten von verpassten Anschlussflügen und engen Umsteigezeiten – besonders bei transatlantischen Ankünften, bei denen mehrere Großraumflugzeuge in kurzer Zeit eintreffen. Luftfahrtquellen berichten, dass die Abfertigung am Terminal 4S in Barajas für US- und lateinamerikanische Staatsbürger durchschnittlich 45 bis 90 Minuten dauert, deutlich länger als die üblichen 15 bis 25 Minuten vor Einführung des EES. Die Verzögerungen führen zu Forderungen aus der Branche nach einer gestaffelten Einführung oder zusätzlichen Selbstbedienungskiosken. Der Flughafen Rom Fiumicino hat bereits mit der Aussetzung des Systems in Spitzenzeiten gedroht; spanische Fluggesellschaften befürchten, dass ähnliche Maßnahmen die Grenzkontrollen fragmentieren und Verwirrung bei den Passagieren stiften könnten. Die Internationale Luftverkehrsvereinigung (IATA) schätzt, dass eine Verlängerung der Abfertigungszeit um nur zwei Minuten pro Passagier bei einer Nachmittagswelle von 30 Flügen dazu führt, dass bis zu 1.800 Reisende umgebucht oder verspätet werden müssen. Für Unternehmen, die diesen Sommer Mitarbeiter über Spanien reisen lassen, empfehlen Mobilitätsmanager die „Drei-Stunden-Regel“ für internationale Anschlussflüge, raten Reisenden zum Download von Flughafen-Apps mit Echtzeit-Warteschlangeninformationen und empfehlen, eine Reiseversicherung abzuschließen, die Kosten für verpasste Flüge aufgrund von Grenzformalitäten abdeckt. Langzeitentsandte mit nationalen Visa (einschließlich des spanischen Digital Nomad Visums) sollten Papierkopien der Visumsbewilligung mitführen, falls sie an den elektronischen Gates zu besetzten Kontrollstellen umgeleitet werden. Blickt man voraus, betont die Europäische Kommission, dass sich die Anfangsschwierigkeiten des EES legen werden, sobald die Mehrheit der Vielreisenden registriert ist und ETIAS – Europas elektronische Reisegenehmigung – Ende 2026 in Betrieb geht. Bis dahin beschleunigen spanische Flughäfen die Installation zusätzlicher biometrischer Kioske und verhandeln mit dem Innenministerium über temporäre Personalaufstockungen, um den Passagierfluss im Juli und August sicherzustellen.
Quelle: Deep Arrival