
Australische Geschäftsreisende, die diese Woche in Europa landen, sind direkt auf das brandneue biometrische Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union gestoßen. Seit dem 30. Juni 2026 an allen Schengen-Außengrenzen aktiv, ersetzt die digitale Plattform das vertraute Stempeln mit Tinte durch verpflichtende Fingerabdruck- und Gesichtsscans. Während die Neuerung eine strengere Grenzsicherheit und automatische Erkennung von Überziehungen verspricht, sorgten die ersten 24 Stunden an wichtigen Drehkreuzen in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland für Frust – einige Australier berichteten von Einwanderungsschlangen von über drei Stunden. Grenzkontrollbeamte benötigen nun mehrere Minuten pro Passagier, um Erstankömmlinge zu registrieren – eine enorme Belastung bei einem Großraumflug mit 350 Langstreckenpassagieren. Die Flughafeninfrastruktur – Kioske, elektronische Tore und Wartebereiche – ist noch nicht auf die längeren Bearbeitungszeiten ausgelegt, und die Personaleinsatzpläne wurden erstellt, bevor die tatsächlichen Auswirkungen des Systems klar waren. Mediterrane Urlaubsziele wie Rom-Fiumicino, Barcelona-El Prat und Athen International traf es besonders hart, da der Starttag mit dem nördlichen Sommerreiseverkehr zusammenfiel. Für australische Unternehmen haben die Verzögerungen praktische und finanzielle Folgen. Verpasste Zuganschlüsse, ausgefallene Chauffeure und verschobene Kundentermine schlagen sich in den Spesenabrechnungen nieder. Reiseleiter passen bereits die Reisepläne an, indem sie Pufferzeiten einplanen oder den ersten Schengen-Eintritt über besser ausgestattete nördliche Flughäfen wie Amsterdam oder Frankfurt wählen. Fluggesellschaften überprüfen die Mindestumsteigezeiten für Schengen-Transfers, da Passagiere ohne EU-Pass nicht mehr auf einen schnellen manuellen Stempel zählen können. Die EU-Agenturen Frontex und eu-LISA versprechen, dass sich die Situation entspannt, sobald Vielflieger schneller durch „Verifizierungs-only“-Spuren kommen und mehr biometrische Kioske installiert sind. Australische Reisebüros (TMCs) warnen jedoch, dass die Eingewöhnungsphase Monate dauern könnte, besonders wenn die Personalobergrenzen bestehen bleiben. Sie raten Führungskräften, Dokumente vorab herunterzuladen, möglichst frühere Flüge zu wählen und flexible Tickets zu kaufen. Einige Unternehmen erwägen sogar, bis zur Stabilisierung des Systems an europäischen Vorstandssitzungen remote teilzunehmen. Langfristig fügt sich das EES in die verzögerte ETIAS-Reisegenehmigung ein – nun für 2027 geplant –, die die meisten Compliance-Aufgaben vor der Abreise online abwickeln wird. Sobald beide Systeme ausgereift sind, können Australier bei Folgereisen mit schnellerer automatischer Abfertigung rechnen. Bis dahin sind Geduld, Premium-Lounge-Mitgliedschaften und sorgfältige Planung unverzichtbare Begleiter für jeden Australier, der Mitte 2026 auf dem Kontinent geschäftlich unterwegs ist.
Quelle: Travel and Tour World