
Kaum 24 Stunden nach wetterbedingten Verzögerungen wurde Frankreich von einem koordinierten Streik der Fluglotsen getroffen, der am 2. Juli zur Streichung von 933 Flügen führte und die Reisepläne von rund 300.000 Passagieren in ganz Europa durcheinanderbrachte. Die von den Gewerkschaften UNSA-ICNA und USAC-CGT angeführte Aktion richtete sich gegen zentrale Area Control Centers in Paris, Bordeaux und Marseille und legte sowohl Inlandsflüge als auch lukrative Langstreckenverbindungen lahm. Die Gewerkschaften werfen der Regierung chronischen Personalmangel, veraltete Radartechnik und festgefahrene Gehaltsverhandlungen vor, während das Verkehrsministerium den Streik zu Beginn der Sommerferien als „unverhältnismäßig“ bezeichnet. An den Flughäfen Charles de Gaulle und Orly entfielen jeweils etwa 40 % der geplanten Flugbewegungen, Beauvais reduzierte sein Low-Cost-Angebot um denselben Anteil. Ryanair strich allein über 400 Strecken und leitete andere Flüge über belgischen und deutschen Luftraum um, was den Treibstoffverbrauch erhöhte und zu Verstößen gegen die Dienstzeitregelungen der Crews führte. Für Unternehmen, die Personal oder wichtige Fracht transportieren, ist der Arbeitskampf mehr als nur ein eintägiges Ärgernis. Die Umleitungen zwangen ankommende Flüge aus den USA und Asien zu längeren nördlichen Routen, wodurch Airlines Fracht ausladen mussten, um innerhalb der Treibstoffgrenzen zu bleiben. Französische Exporteure zeitkritischer Frischwaren warnen vor Verderbnisrisiken bei anhaltenden Streiks. Auch Fachanwälte für Geschäftsimmigration weisen auf einen weiteren Effekt hin: Visuminhaber, deren Reisedaten in OFII-Terminbestätigungen stehen, müssen möglicherweise medizinische Untersuchungen verschieben, wenn sie Ankunftsfenster verpassen, was die Ausstellung von Aufenthaltstiteln verzögern kann. Die meisten Präfekturen gewähren eine Toleranz von 15 Tagen, allerdings nur auf vorherigen Antrag. Während die DGAC Mindestdienstregelungen anwendet, um einen Viertel der Flüge aufrechtzuerhalten, haben die Verhandlungen bislang keine Lösung gebracht. Sollten die Gespräche scheitern, könnten die Gewerkschaften mit nur fünf Tagen Vorwarnung neue Streikankündigungen aussprechen, was Reiseplaner in Frankreich und im Ausland dazu zwingt, kurzfristig Ausweichrouten über Madrid, Frankfurt oder London zu organisieren.
Quelle: Infobae
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